Schwerpunktthema: Akustik - Damit nicht alles Schall und Rauch bleibt

Jeder Musiker verwendet den Ausdruck »Akustik«; vielen bleibt jedoch der umfassende Sinn dieses Begriffs verschlüsselt. Testet man einen unbekannten Konzertsaal, bittet man in aller Regel einen »Fachmann«, zu prüfen, ob das Orchester oder einzelne Instrumente zu laut oder zu leise sind. Klangqualität, Tragfähigkeit von Tönen und Klängen in Korrelation zur Klangveränderung und Klangbeeinflussung durch den Raum bleiben meistens unerwähnt oder mangels tieferer Kenntnis unkorrigiert. Deshalb sind die Musiker bei sogenannten Anspielproben nur »genervt«, da die Akustik bei voll besetztem Saal sowieso wieder ganz anders wird und der einzelne Musiker immer am besten beraten ist, sich auf seine langjährigen Erfahrungen hinsichtlich der Bewertung der akustischen Gegebenheiten zu verlassen.

Ja, was ist dann nun eigentlich mit »Akustik« wirklich gemeint? Das Wort kommt aus dem Griechischen und umfasst die Lehre vom Hörbaren. Auf den physikalisch-mechanischen Gesetzen der Schwingungs- und Wellenlehre beruhend, ist die Akustik in unserem Thema die Lehre vom Schall. Als musikalische Akustik beinhaltet sie die Definition und Analyse von Tönen, der Klangfarbe, der Lautstärke und Tondauer (siehe auch Zelton, »Wörterbuch der Mu-sik«). Im Folgenden möchte ich diese einzelnen musikalischen Parameter beschreiben und in Beziehung zueinander setzen. Über all den genannten mechanischen Komponenten der Akustik steht eine unverzichtbare ästhetische Qualität, die allerdings nur schwer verbindlich definierbar bleibt. 

»Schon die alten Chinesen…«

Als erste untersuchten die Chinesen vor etwa 3000 Jahren die Phänomene der Akustik mit der Entwicklung von Tonsystemen und des Verhältnisses von Tönen zueinander, also Tonhöhen und Stimmungen. In der Antike war es vor allem der von der Insel Samos stammende Philosoph, Mathematiker und Politiker Pythagoras (ca. 570 bis 510 v. Chr.), der sich mit der Berechenbarkeit reiner Intervalle beschäftigte und damit zum Gründer der mathematischen Analyse der Musik wurde. Er untersuchte unter anderem die Verhältnisse von Saitenlänge und Tonhöhe und soll dadurch auch die Zusammenhänge von Teiltönen erkannt haben. Heute ist die Akustik ein physikalisch weitgehend untersuchtes Wissenschaftsgebiet, das sich in die Bereiche Frequenzanalyse, Resonanzanalyse und Ordnungsanalyse unterteilt. Im Labor testet man die unterschiedlichen akustischen Möglichkeiten; im reflexionsarmen Raum, im Hallraum oder im Freifeldraum kann man die Klangentwicklung verschiedenster Schallquellen (Klangquellen) messen und ihre Wirkung unter­suchen. Ich selbst habe als Posaunist im Rahmen der Promo­tions­arbeit eines Tonmeisters an solchen Laboruntersuchungen teilgenommen und denke noch oft an die psychologisch verstö­rende Wirkung eines selbstproduzierten Tones in einem völlig re­flexions­losen Raum. Man glaubt, man habe 15 Jahre umsonst geübt!

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Ohrwurm - Hören und gehört werden":

  • 20.03.2013
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 4/2013
  • Seite 24-28

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