Saxofonist Johannes Enders über Heimat

Wenn man die bayerische Landeshauptstadt München hinter sich, den Starnberger See links und den Ammersee rechts liegen lässt, dann kommt man nach nicht allzu langer Fahrt in einen der wichtigsten Orte des Pfaffenwinkels im bayerischen Oberland – nach Weilheim. Weilheim ist nicht nur Geburtsstätte der Indie-Band »The Notwist«, sondern auch Heimat des Musikers Johannes Enders. Und über genau dieses Thema haben wir mit ihm gesprochen. Ein Heimatbesuch.

Ein vielbeschäftigter Mann

Ob es schwierig ist, mit dem Saxofonisten einen Termin für ein Treffen zu verein­baren? Ist der Papst katholisch? Johannes Enders ist, gelinde gesagt, ein vielbeschäftigter Mann. Er ist gerade mal knapp über 50 und hat an über 100 Produktionen mitgewirkt. 

»Nebenher« ist er noch Professor für Jazz-Saxofon an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig. Aber es soll klappen. Vor dem verhältnismäßig langfristig an­beraumten Treffen fragt man lieber nicht noch einmal nach – nicht, dass ihm dann noch was dazwischenkommt… 

Es ist nass und kalt an besagtem Morgen, herbstlich. Selbst die sonst so farbenfrohe Entenschar am nahegelegenen Ammersee schwimmt geradezu grau in grau. Nach dem ersten Klingeln öffnet ein Zwei-Meter-Hüne die Tür. Seine Füße stecken in weißen, leicht abgetragenen Haus­schuhen, Johannes Enders trägt Jeans und eine graue Kapuzensweatjacke. 

Dem fragenden Blick folgt ein joviales »Was gibt’s?« Hat er den Termin vergessen? Frisur – grau und eben absichtlich nicht akkurat gescheitelt – und schwarz eingefasste Brille könnten auf einen zerstreuten Professor deuten. »Clarino? Klar! Komm rein!« 

Heimatgefühle

Es gibt frischen Kaffee und auf dem Tisch liegt das aktuelle Album »Endorphin«. Das jüngst beim Münchner Label erschienene Album weist zahlreiche Bezüge zu Enders Wurzeln auf. Das Thema »Heimat« bietet sich an. 

»Manchmal gibt es Flashbacks, die einen weit zurückführen, ausgelöst durch bestimmte Orte oder Gerüche. Plötzlich schweifen die Gedanken dann in die Vergangenheit, in eine Zeit, in der vieles leichter und einfacher war. Ich empfinde das als etwas Schönes, denn als junger Mensch kann man Glück noch viel intensiver spüren.« 

Ein paar dieser Gefühle holt sich Johannes Enders zurück, indem er im Geiste noch einmal die »Lucky Joe Street No. 4«– ein Titel der CD – entlang marschiert, die Adresse des Elternhauses in Weilheim, die Hans-Glück-Straße Nummer 4.

  • 11.01.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2019
  • Seite 37-39

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