rote noten – frech vom blech - alternative blaskapellen von den 70er jahren bis heute

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Franz X.A. Zipperer
  • Ausgabe: 10/2004
  • Seite 36-39

Wir schreiben den 1. Mai 1973. Deutschland und vor allem die Studentenstädte sind überaus politisiert durch linke Theorien, die aber bereits in den 70er Jahren knöchern, bleich und mehr als blutleer waren. Keiner ahnt den »deutschen Herbst« voraus. Wie jedes Jahr gibt es auch in Freiburg eine Mai-Demonstration. Eigentlich so wie jeden Mai. Aber nur eigentlich – denn zum ersten Mal geht eine zwölfköpfige Blechbläsergruppe im Demonstrationszug mit. Sie spielen »rote« Klassiker von Hanns Eisler: »Roter Wedding«, »Solidaritätslied«, »Lied der Jugend«, »Bandierra rossa«, »Einheitsfrontlied«, »Die Internationale« und den »Linken Marsch«. Überraschung und Begeisterung waren groß, gehörte eine Blaskapelle in der linken Bewegung nicht gerade zu den Alltäglichkeiten. Es handelte sich dabei um die Vorläuferformation der späteren Blechblaskapelle »Rote Note«.

Die Initialzündung zur Gründung einer Blaskapelle in linken Zusammenhängen war eine Reaktion auf die ach so typisch deutsche sterile, trübe Ordentlichkeit bei Kundgebungen und Demonstrationen. Die Kapelle setzte sich aus Studenten, Junglehrern, Assessoren sowie zwei Hochschulassistenten und Studierenden der Musikhochschule zusammen. Die meisten Mitglieder waren vorher nicht organisiert aktiv und verstanden sich eher als musikalische Laien. Alle kannten sich durch die Zusammenarbeit bei anderen Projekten. Nachdem sie ausgiebig über die Verwendbarkeit der alten Arbeiterlieder und die Möglichkeiten einer Blechblaskapelle diskutiert hatten, war der »1.-Mai-Einsatz« die Probe aufs Exempel.

 

« zurück