rod franks - in gummistiefeln die eigernordwand bezwungen

Rod Franks ist der erste Trompeter des »London Symphony Orchestra« (LSO). Als in seinem rechten Ohr plötzlich die Klangbalance nicht mehr stimmte, suchte er die Schuld bei den Posaunisten. Sie spielten falsch, meinte er. Wenig später entdeckten die Ärzte in seinem Gehirn einen Tumor. Dieser war zwar gutartig, aber nach einer unausweichlichen Operation zu dessen Entfernung war Franks auf dem rechten Ohr taub. Eineinhalb Jahre später ist der Trompeter wieder an der Arbeit – dank eines digitalen Hörgerätes, das er zusammen mit einem Freund entwickelt hat.

Manchmal bekommt das »London Symphony Orchestra« Post. Was denn mit dem ersten Trompeter los sei, wollen die Briefschreiber wissen – warum sich dieser ständig hinter dem Ohr kratze. Flöhe im noblen Barbican Centre? Das dürfe doch wohl nicht wahr sein! Ist es auch nicht. Rod Franks musste nur mal wieder die Lautstärke seines Hörgerätes einstellen. Denn seit der Operation, bei der am 12. Juli 2002 ein Tumor aus seinem Gehirn entfernt wurde, hört der Trompeter auf dem rechten Ohr nichts mehr. Es grenzt an ein Wunder, dass er überhaupt noch spielen kann, geschweige denn in einem Orchester mit Weltqualität. »Die Chirurgen prophezeiten mir, nach der Operation werde mein Job so schwierig sein wie die Besteigung der Eigernordwand in Gummistiefeln«, berichtet Franks.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Hanspeter Künzler
  • Ausgabe: 4/2004
  • Seite 30-33

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