Richtung: Profiklasse - Azumi-Flöten »AZ-S2E«, »AZ-S3RE« und »AZ-S3RBE«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 7-8/2011
  • Seite 20-22

Wer kennt nicht die Situation? Man weiß (so denkt man) eigentlich genau, was man will, geht ins Geschäft und sieht sich mit einem unglaublich vielfältigen Angebot konfrontiert, das dann doch unschlüssig macht. Ganz so mag es manchem Flötisten gehen, der sich für ein neues Instrument interessiert. clarino.print stellt in dieser Ausgabe drei Flöten aus dem Hause Azumi vor, die der Mittelklasse zuzurechnen sind und (beinahe) jeden Anspruch erfüllen.

Eine Flöte ist längst nicht mehr nur eine Flöte. Zu weit ist die Entwicklung in den vergangenen Jahren gekommen, zu vielfältig sind die Merkmale, die aus der Profiklasse in die »unteren« Kategorien übernommen wurden. Und dabei geht es beileibe nicht nur um Dinge, die auf den ersten Blick zu ­sehen sind. Ganz im Gegenteil. Denn so wie der Teufel im Detail steckt, entscheiden auch im Instrumentenbau Nuancen über die Richtung, in die das Instrument gehen soll.

Beispiele gefällig? Nehmen wir doch einfach einmal etwas Augenfälliges: Spitz­deckel­mechaniken wurden vor Jahren ausschließlich im Profibereich verbaut. Warum? Weil die Herstellung aufwendiger ist, weil Schüler und fortgeschrittene junge Flötisten »das doch noch gar nicht brauchen«. Heute werden Spitzdeckel auch schon in der Schüler- und Mittelklasse verbaut. Warum? Weil die Mechanik robuster ist und weil (wie viele Flötisten sagen) der Ton auch im größten fortissimo stabil bleibt. Und wohl auch der besseren Zukunftsperspektive wegen. Denn viele Musiker kaufen sich lieber ein Instrument mit größerem Potenzial, als schon nach wenigen Jahren aus dem Instrument »herauszuwachsen«.

Die neuen Mitglieder der Azumi-Familie haben genügend Potenzial für viele, viele Jahre entspannten Flötenspiels. Das stellt Praxistesterin Stefanie Brandthaus fest. Der »S3RBE« bescheinigt die erfahrene Profi-Flötis­tin gar, schon in die Richtung einer professionellen Flöte zu gehen. Doch der Reihe nach. Es gibt über die drei getesteten Flöten einiges zu berichten.Azumi hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einer respektablen Marke im nichtprofessionellen Flötenbereich entwickelt. Als maschinell gefertigte Flöten mit handgemachten professionellen Kopfstücken wurde Azumi vom Hersteller der professionellen Altus-Flöten auf den Markt gebracht, um auch der Mittel- und Schülerklasse sehr gut klingende und dabei noch erschwing­liche Instrumente anbieten zu können.

Ein großes Geheimnis des guten Flötenklangs liegt bekanntermaßen im Kopfstück, und hier ganz speziell in der Mundloch­platte. Die Instrumentenbaumeister von Azumi haben hier Zugriff auf die hand­gemachten Altus-Kopfstücke, die höchsten Ansprüchen genügen. Azumi verwendet zwei verschiedene Mundlochvarianten, die dem Spieler in unterschiedlichen Bereichen entgegenkommen: Die »Z-Cut«-Kopfstücke sind so gestaltet, dass der Ton extrem leicht anspricht und ermöglichen ein einfaches Fokussieren des Tons. Die »S-Cut«-Kopfstücke dagegen stehen für einen facettenreichen Klang und etwas mehr Blaswiderstand. Das wird eben durch die Gestaltung der Mundlochplatte erreicht.

Auch beim Material der »S-Cut«-Kopf­stücke wurde (wie schon bei den »Z-Cut«-Modellen) an nichts gespart: Das Rohr des Kopfstücks ist aus 958er Britannia-Silber hergestellt, einer Silberlegierung, die einen hohen Reinheitsgrad aufweist. Die Bezeichnung »958« steht für den Feingehalt an Silber (in Tausendsteln). Britannia-Silber ist also noch reiner als etwa das gebräuchliche 925er Sterling-Silber.Dieses Sterling-Silber findet dagegen bei der Mundlochplatte Verwendung. Auch der Tonlochkamin ist aus demselben Material hergestellt. Neben den guten klanglichen Eigenschaften bietet das sehr reine Sterling-Silber den Vorteil, dass es nicht mit Nickel versetzt ist und in der Regel keine allergischen Reaktionen hervorruft.

Die drei getesteten Flöten weisen ein »S-Cut«-Kopfstück auf. Diese Serie wurde zum fünften Geburtstag der Azumi-»Z-Cut«-Flöten auf den Markt gebracht und schließt nun beinahe die Lücke zwischen der Mittelklasse und professionellen Flöten. Allen drei Flöten gemeinsam ist auch die bereits angesprochene Spitzdeckelmechanik. Im Gegensatz zu den »Y-Klappen«, die im Schüler­bereich üblicherweise zum Einsatz kommen, bietet eine Spitzdeckelmechanik eine grö­ßere Robustheit und mehr Präzision bei der Bedienung. Die Mechanik weist außerdem die hierzulande übliche E-Mechanik mit vorgezogenem G auf – eine ergonomische Bauweise, die zwei Klappen aus der Klappen­reihe herauslöst. Die E-Mechanik sorgt für bessere Intonation bei verschiedenen Tönen. Das Modell »AZ-S2E« ist das Einsteiger­modell in die »S-Cut«-Serie und ist mit seinem versilberten Neusilber-Korpus (Neusilber ist eine silbern glänzende Metalllegierung, die mit Silber lediglich dem Namen nach zu tun hat, aber keinen Silberanteil besitzt) nach Meinung von Stefanie Brandthaus eine sehr gute Schülerflöte, die schon in Richtung Mittelklasse geht. In allen Be­reichen erhält das Instrument gute Bewertungen. Der schöne Klang, die leichte und direkte Ansprache, die leichte Mechanik können die Testerin überzeugen. Einzig die gis-Klappe fiel im Test durch leichtes Klappern auf und die etwas tiefe Grundstimmung des Instruments. Die Klappen sind bei diesem Modell geschlossen und die Flöte weist einen C-Fuß auf.

Die 3er-Reihe: Eine andere Liga

Das Modell »AZ-S3RE« spielt bereits in einer ganz anderen Liga. Anders als Ein­steigermodelle besteigt man mit den Azumi-»S-Cut 3«-Modellen bereits die sogenannte »Silberrohrklasse«. Die Schwelle zur Profiklasse im Flötenbau besteht (unter anderem) im Material des Flötenkorpus. Ist dieser etwa aus Neusilber hergestellt, klingt das Instrument anders als eine Flöte mit echtem Silberkorpus. Die höheren Modelle der »S-Cut«-Serie wurden mit einem Korpus aus Britannia-Silber ausgestattet und bieten dadurch bereits professionelle Möglichkeiten in den Punkten Klang und Klanggestaltung. Die »AZ-S3RE« kann neben dem hochwertigen Korpus und dem professionellen Kopfstück auch durch den Einsatz von Ring­klappen glänzen. Ringklappen werden von Flötisten geschätzt, weil sie ihnen eine direktere Verbindung zum Instrument ermöglichen (Stichwort: Spielgefühl) und daneben zu exaktem Greifen animieren. Außerdem sind für verschiedene Techniken und Effekte wie Glissandi oder Mikrotöne Ringklappen nötig. D

och auch abgesehen von diesen fortgeschrittenen Techniken kann die »AZ-S3RE« überzeugen: Stefanie Brandthaus lobt die leichte Ansprache in allen Lagen, den weichen, aber dennoch vollen Klang, die gute Intonation sowie die gut funktionierende Mechanik. Die Flöte ist nach Meinung der Testerin sehr leicht spielbar und ein sehr ausgewogenes Instrument mit dem charakteristischen Flötenton. Entsprechend gut fällt auch die Benotung aus: In allen Kategorien erhält die Flöte gute Noten, vom spontanen Wohlfühlfaktor über die Ansprache, Intonation, Klang, Mechanik und das Preis/Leistungs-Verhältnis. Dazu aber später mehr.Auch das Topmodell der »S-Cut«-Serie aus dem Hause Azumi lag clarino.print zum Test vor. Die technische Ausstattung der »AZ-S3RBE« ist im Vergleich zur »AZ-S3RE« noch um den H-Fuß erweitert worden. Diese Flöte kann also noch einen Ton mehr spielen. Daneben weist auch die »AZ-S3RBE« eine Spitzdeckelmechanik mit Ringklappen auf, eine E-Mechanik mit vorgezogenem G und den hochwertigen Korpus aus 958er Britannia-Silber. Der Praxistest zeigt aber, dass das Instrument von diesem einen Merkmal, das im Vergleich zum Schwestermodell hinzu­gefügt wurde, nochmals unglaublich profitiert. Stefanie Brandthaus über die »AZ-S3RBE«: »Eine sehr schöne, solide gebaute und funktionierende Flöte mit einem großen Ton in allen Lagen und einer guten Intonation. Diese Flöte ist ein Genuss und es macht einfach Freude, auf dieser Flöte zu spielen.« Gleichzeitig verweist die Testerin darauf, dass der Preisunterschied zur Flöte ohne H-Fuß nicht so groß ist – Interessenten sollten sich also dieses Extra gut überlegen, denn die Flöte erhält in Sachen Klang und Registerkoordination sogar die Bestnote.

Im handwerklichen Testbericht gibt es ebenfalls nichts Schlechtes zu berichten: Die Qualität der Verarbeitung stimmt. Die Oberflächen sind tadellos, Optik und Haptik sind einwandfrei. Die Auflötschienen für die Mechanikböckchen sind perfekt aufgelötet und nachbehandelt, da gibt es auch für kritische Augen nichts zu meckern. Die Mechanik weist ein leichtes Seitenspiel auf, das aber in der Praxis kein Problem darstellt. Sollte trotz der robusten Spitzdeckel-Mechanik einmal eine Undichtigkeit auftreten, besitzen die Flöten genügend Einstellmöglichkeiten, um die Mechanik wieder zu justieren – eine sehr wartungsfreundliche ­Konzeption der Flöten. Das einzige kleine Manko, das der Instrumentenbauer feststellt, sind die Dämpfplättchen, die das Aufeinandertreffen von Justierschrauben und anderen Mechanikteilen leiser machen sollen: Diese dünnen Plättchen können sich von ihren Trägerteilen ablösen, wenn sie etwa mit zuviel Öl oder anderen Flüssigkeiten in Kontakt kommen. Wenn der Spieler also beispielsweise vor einem Konzert noch schnell die Mechanik ölt, sollte er acht­geben, dass die Dämpfplättchen nicht mit Öl benetzt werden.

Fazit

Die »S-Cut«-Serie aus dem Hause Azumi ist ein klarer Fall für fortgeschrittene, ambitionierte Flötisten, die ein Instrument mit viel Potenzial suchen. Neben den drei getesteten Modellen »AZ-S2E«, »AZ-S3RE« und »AZ-S3RBE« sind zwei weitere Modelle erhältlich: »AZ-S2RE« (Neusilberrohr und Ringklappen) und »AZ-S3E« (Britannia-Silberrohr und geschlossene Klappen). Die Wahl zwischen den insgesamt fünf Modellen dürfte dann leicht fallen, wenn die Bedürfnisse des Spielers genau bekannt sind. Allen gemeinsam ist die hohe Qualität der Verarbeitung, die guten Spieleigenschaften und ein Zubehörpaket, das keine Wünsche offen lässt: Putzutensi­lien sind ebenso im Lieferumfang enthalten wie ein Hartschalenetui samt passender Tragetasche. Schön auch, dass Azumi einen Anlaufschutz mit ins Etui legt, der das Silber vor dem Anlaufen bewahren soll.

Die Testerin

Stefanie Brandthaus studierte Flöte in Augsburg und arbeitet seit dem Examen als Flötenlehrerin an der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg am Lech. Daneben wirkt Stefanie Brandthaus in der Jury beim Wettbewerb »Jugend musiziert« und ist Prüferin beim Musikbund von Ober- und Niederbayern. Sie ist Mitglied im Arcadie-Flötenquartett München – die rege Konzerttätigkeit erstreckt sich über den gesamten süddeutschen Raum.

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