Rhythmus und der Puls des Lebens: Helmut Eisel über »Clarinet & Friends«

Bereits zum vierten Mal lädt der Klarinettist Helmut Eisel zu »Clarinet & Friends« ein, zu Musik im Dialog. Zwischen dem 31. Mai und 3. Juni versprechen die Veranstalter einen »Riesenspaß für Jung und Alt, und ein Spaß mit Modellcharakter, denn als Musiker leben wir vor, was das tägliche Leben schön macht«. Wir sprachen mit Helmut Eisel.

Herr Eisel, der Schwerpunkt der aktuellen Clarino-Ausgabe liegt auf dem »Rhythmus«. Wenn Sie das Wort »Rhythmus« hören – welches sind Ihre ersten Gedanken?

Tanzbare Rhythmen waren in der Kirchenmusik lange Zeit verboten, da sie »zur Unzucht anregen«. Auch heute noch ist Rhythmus zumindest für klassische Musiker nicht unproblematisch. Des Öfteren sagten sie mir bei meinen Kompositionen: »Ich bin doch kein Tanzmusiker!«

Hat man den »Rhythmus im Blut«? Oder kann man das lernen?

Ohne Puls kein Leben. Jeder Mensch hat Rhythmus. Es ist – wie so oft – nur ein Problem, sich dessen bewusst zu sein und es zuzulassen.

In Ihrem Grußwort zum Festival »Clarinet & Friends« sprechen Sie davon, dass »taktlose Menschen bei uns keinen Platz« haben. Das ist natürlich doppeldeutig – und trifft deshalb wunderbar auf das Festival zu, oder?

Genauso ist es. Leider ist Taktlosigkeit gerade eine Modeerscheinung geworden, vor allem in der Politik – wir nennen sie dort »Populismus«. Das vielleicht sogar Richtige im falschen Moment zu tun, führt nicht nur in der Musik zu Missklängen. Die Abhilfe heißt: »Mehr zuhören!«

Haben Musiker es leichter, auf andere Menschen zuzugehen? Warum ist das so?

Wir haben mit der Musik eine gemeinsame Sprache – das erleichtert vieles. Musikalisch aufeinander zuzugehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist tatsächlich oft einfacher als mit Worten: Man spürt die Emotionen und lässt sich nicht so leicht durch Wortklaubereien verwirren. Die Klarinette ist aufgrund ihrer Nähe zu allen Schattierungen der menschlichen Stimme für eine Vermittlerrolle natürlich ideal.

  • 01.03.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 34-35

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