Rhythmisches Lernen und die Förderung sozialer Kompetenzen in der Primarstufe

Der Rhythmus hat für den Menschen immer schon eine große Bedeutung. Im Besonderen, weil er dem Herzschlag der Mutter gleicht und somit das erste ist, was wir hören. So ist es verständlich, warum der Rhythmus uns tief im Innersten berührt und ihm in vielen Kulturen ein hoher Stellenwert zufällt. Der Rhythmus begleitet uns ein Leben lang. Unser Alltag ist in viele Rhythmen strukturiert – viele davon nehmen wir gar nicht bewusst wahr.

Musikalische Erziehung in Schulen

Seit einigen Jahren herrscht an Deutschlands Schulen Musiklehrer-Mangel. Der Musikunterricht fällt entweder aus oder wird von fachfremden Lehrern erteilt. Es scheint daher unerlässlich, Kooperationen zwischen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen zu pflegen. Einerseits bietet so der Musikunterricht fachliche Qualität und andererseits entsteht die Möglichkeit eines nahtlosen Übergangs zum Musikunterricht außerhalb der Schule.

Für Verantwortliche der örtlichen Musikschulen und Musikvereine heißt das, sich mit den rechtlichen und organisatorischen Problemen vertraut zu machen, und für Musiklehrer, sich mit den methodisch-didaktischen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Aus meiner Sicht als Musikschulleiter sehe ich die Notwendigkeit, die allgemeinbildenden Schulen in der musikalischen Bildung zu unterstützen, was für die Zukunft allerdings keinen vollwertigen Ersatz für Musiklehrer bedeutet.

Nicht nur Schlagzeuger brauchen Rhythmus. Jeder Bläser, Streicher, Pianist oder einfacher gesagt jeder, der Musik machen will, muss sich mit dem Rhythmus auseinandersetzen. Rhythmus spielt im Sinne einer langzeitlichen Musikerziehung eine wichtige Rolle. Wo soll man also anfangen, wenn nicht an den Schulen?

Rhythmus fördert soziale Kompetenzen

Bereits der Musikpädagoge Carl Orff (1895 bis 1982) war der Auffassung, dass rhythmische Elemente im Zentrum des kindlichen Musikerlebnisses stehen. Rhythmus kann neben der musikalischen Arbeit auch als Mittel genutzt werden, um soziale Prozesse anzuregen. Dimensionen wie Kommunikation, Integration, Konfliktfähigkeit und die Persönlichkeitsentwicklung können durch das rhythmische Musizieren gefördert werden.

Rhythmus erfordert und schult die Wahrnehmung sowie einen respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit den Mitmusizierenden. Je mehr verschiedene rhythmische Situationen, die mit einem sozial kompetenten Handeln einhergehen, einem Schüler abverlangt werden, desto höher ist die Chance, dass sie diese Verhaltensweisen auch anderweitig nutzen werden. Durch viele positive Erfahrungen im Bereich der Rhythmik und durch das Handeln der Lehrkraft kann ein positives musikalisches Selbstkonzept des Schülers unterstützt werden.

  • 01.03.2018
  • Schwerpunktthema
  • Manuel Grund
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 24-25

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