rette sie wer kann - warum die italienischen bandas verdi berühmt machten

Wenn eine italienische Banda losspielt, sieht man sie förmlich vor sich: eine rundliche italienische Mama, fröhlich vor sich hinträllernd, um sie herum ein kleine Horde quietschender Kinder mit roten Backen und schmutzigen Fingern. Das Ganze im Getümmel einer Piazza im Süden Italiens. In Neapel vielleicht, oder in Palermo. Eine Ausnahme macht Banda Metafisica. Die ist nicht in Süditalien, sondern im Rheinland zu Hause. Und so ganz richtig italienisch sind sie auch nicht. Von 15 Musikern ist nämlich nur einer ein Original: Dirigent und Bandleader Nicolao Valiensi.

Der 39-Jährige kommt aus dem 400-Seelen-Nest Camporgiano tief in der nördlichen Toskana. Dieser Flecken Erde in der Region Garfagnana »ist mit seinen Bergen und Seen reich an Tradition und magischen Orten«, sagt Valiensi. Und erklärt so auch gleich noch, weshalb seine Köln/Toskana-Coproduktion den Beinamen »Metafisica« trägt. Der Rest der Truppe setzt sich in einer prickelnden Mischung aus unterschiedlichsten Kölner und Düsseldorfer Jazzmusikern zusammen. Allen gemeinsam ist, dass sie sich vor drei Jahren mit Valiensi zusammentaten, um einer Musiktradition in Deutschland Leben einzuhauchen, die heute in italienischen Städten kaum noch einer kennt, auf dem Lande hingegen vor 100 Jahren wie heute hoch kultiviert und hellwach ist.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Christiane Neuendorf
  • Ausgabe: 6/2006
  • Seite 24

« zurück