Renaissance des Marsches? - Marginalien zur Faszination der Marschmusik

  • 21.09.2011
  • Bläsermusik heute
  • Friedrich Weyermülle
  • Ausgabe: 7-8/2011
  • Seite 42-43

Eine bemerkenswerte Initiative der diesjährigen Promenadenkonzerte in der Kaiserlichen Hofburg zu Innsbruck stellt der Schwerpunkt »Marsch« dar. Ein Blick in das Programmheft vermittelt vorerst einen quantitativen Erfolg des Vorhabens, den Marsch nicht als »mar­tialisch« zu demolieren, obwohl der ehemals gefürchtete österreichische Kritiker Eduard Hanslick meinte: »Der Marsch soll unter allen Umständen bewaffnete Musik bleiben!« Mitnichten, gerade die Vielfalt dieses Genres – ob als Gebrauchsmusik, ursprünglich hauptsächlich beim Militär, mit genauen Tempovorschriften versehen, oder ob als Teil gehobener Kunstmusik, wo der Marsch schon ab 1800 in der Orchestermusik, in Opern und Operetten Verwendung fand – beeindruckt. Dem 20. Jahrhundert blieb es vorbehalten, »den Marsch« durch satirisch-parodistische Karikierung zu deformieren, wie in Igor Strawinskys »Marsch des Soldaten«, dem Königsmarsch mit 5/8- und 2/4-Taktwechsel, Ernst Kreneks bläser­besetzte »Drei lustige Märsche« oder Hermann Regners »Stolpersdorfer Sonntagsmarsch« zu entmilitarisieren.Die erwähnten Beispiele könnten als Ansätze einer neuen Form mit verschiedensten Besetzungen, die weder »politisch« noch »kriegerisch« motivierte Inhalte transportieren wollen, empfunden werden. Gelingt so die Überwindung des in den vergangenen Jahrzehnten beobachteten Marsch-Burnout durch eine musikalische Neuorientierung? Versuchen wir eine Durchforstung der oft überfrachteten Marschbücher mit gleichzeitiger Revision der nur mehr schlampig bis schwunglos gespielten »Haus­märsche«? Versuchen wir wieder eine fein differenzierte Dynamik, präzise Phrasierung und exakten Rhythmus!

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