Rekkenze Brass stellt sich neu auf

  • 03.03.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 36-39

Anderthalb Stunden braucht man von Nürnberg aus. Von Dresden sind es fast 120 Minuten. Und von München gar drei Stunden. Die nackten Zahlen (Staus und Wetterkapriolen nicht einmal eingerechnet) lassen vermuten: Fährt man ins oberfränkische Hof, dann fährt man in die Provinz! Doch was sind schon schnöde Kilometer? In Sachen Kultur nämlich braucht sich Hof nicht vor den Metropolen zu verstecken. Wir waren dort und haben Rekkenze Brass besucht.

Rekkenze – das war 1135 die altslawische Bezeichnung einer Dorfsiedlung, aus der die Stadt Hof hervorgegangen ist. Und Rekkenze Brass ist das Blechbläserquintett, das 843 Jahre später von Mitgliedern der Hofer Symphoniker gegründet wurde. (Und das ist nicht das Ende der kulturellen Fahnenstange, denn neben den Symphonikern gibt es noch das Theater Hof. Und außerdem ist der Hofer Stadtkern in der Liste »der 300 bedeutsamsten historischen Stadtkerne Deutschlands« des Zeit-Magazins enthalten.)

Im Umbruch: Drei neue Ensemble-Mitglieder

Nun steht dieses Ensemble seit 40 Jahren auf den Bühnen und verbreitet die Faszination, mit Leichtigkeit, mit Charme und Heiterkeit aufzuzeigen, wie durchlässig die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Musikgattungen sein können. Das Ensemble feiert aber nicht nur, sondern hat auch einen nicht eben kleinen Umbruch zu bewältigen. Drei Fünftel des Quintetts nämlich wurden ausgetauscht.

Im Gespräch mit den fünf aktuellen Musikern wird schnell deutlich, dass man sich hier nicht etwa im Unfrieden von drei Mitgliedern getrennt hat. In den allerhöchsten Tönen spricht man von den Ehemaligen, von René Jampen, Peter Knudsvig und Debra Luttrell.

Diese drei nämlich, die Hornistin Luttrell, der Trompeter und Arrangeur Knudsvig sowie Posaunist und Gründungsmitglied Jampen verließen aus Altersgründen beziehungsweise wegen der Rückkehr in die Vereinigten Staaten das Ensemble. Jampen etwa war zuvor 42 Jahre lang Posaunist bei den Hofer Symphonikern.

Nun also drei neue. Und den Neuen merkt man im Gespräch an, dass sie die Neuen sind. Zurückhaltend, beinahe schüchtern beteiligen sie sich am Gespräch: die Posaunistin Elisabeth Nußrainer, der Trompeter Dominik Thoma und der Hornist Sebastian Krügel.

Der Tubist und Dienstälteste Rainer Streit (seit 1996) und Trompeter Benjamin Sebald (seit 2003) führen zwar die Konversation, doch wird ebenso deutlich, dass die drei Musiker nicht zufällig ausgewählt wurden. Man kannte und man schätzt sich.

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