Reines Intonieren: Liegt die Verantwortung nur bei den Dirigenten?

  • 16.01.2018
  • Praxis
  • Hans-Peter Blaser
  • Ausgabe: 1/2018
  • Seite 16-17

Liegt die Verantwortung in Sachen Intonation nur bei den Dirigenten? Musiker würden diese Frage möglicherweise bejahen. Mancher Dirigent wird einwenden, die Verantwortung liege bei den Bläsern, denn diese müssten ihr Instrument zum Stimmen bringen.

Die Rolle von Dirigent und Musikern

Wie bei allen Aspekten des Orchestermusizierens handelt es sich auch bei der Realisation einer reinen Intonation um Teamwork. Die Dirigenten kontrollieren während der Proben die Ausführung aller Aspekte des Musizierens, also auch die Intonation.

Sie weisen die Musiker auf Unstimmigkeiten hin und vermitteln Tipps, wie diese korrigiert werden können. Spätestens aber beim Konzert sind die Musiker auf sich selbst gestellt. Und hier zeigt es sich, ob diese während den Proben richtig gecoacht wurden.

Die Arbeit der Dirigenten kann aber nur von Erfolg gekrönt werden, wenn die Musiker in der Lage sind, die entsprechenden Korrekturen selbstständig vorzunehmen. Voraussetzung dafür ist eine gute Kondition in Verbindung mit guter Ansatz- und Atemtechnik.

Die Musiker sind erst dann in der Lage, die Intonation zu gestalten, wenn sie ihre Instrumente gut kennen und beherrschen. Dafür ist eine gute Kondition nötig. Eine gute Atem- und Ansatztechnik kann erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn die Musiker fit sind.

Bewusstsein und Kenntnisse

Neben den technischen Voraussetzungen ist auch ein gewisses Maß an Kenntnissen notwendig, um rein intonieren zu können. Viele der Musiker gehen von der Überzeugung aus, dass die richtige Griffwahl auch die gewünschte Tonhöhe ergibt, was leider nicht der Fall ist. Weil jeder Ton, je nachdem welche Funktion (Grundton, Terz, Quint usw.) er innerhalb eines Akkords innehat, entweder zentriert, hoch oder tief intoniert werden muss.

Die richtige Griffwahl schafft bloß günstige Voraussetzungen für das reine Intonieren. Das Feintuning erfolgt in jedem Fall über den Ansatz sowie den Einsatz von Hilfsgriffen und Korrekturvorrichtungen (Züge, Quartventil).

Als Vorbereitung sollten die Musiker beim individuellen Üben trainieren, die Intonation aller Töne flexibel zu gestalten. Die Abweichung von der zentrierten Intonation (temperierte Stimmung) betragen im Maximum ± 16 Cent (kleine Terz, große Sexte). Die Anforderungen an eine flexible Gestaltung der Intonation sollten in jeder Lage des Tonumfangs eines Instruments erfüllt werden können.

« zurück