Ralph Alessi - Die klare Linie

  • 16.12.2013
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 1/2014
  • Seite 50-51

Seit Jahren ist er der Mann für die schwierigsten Trompeten-Jobs im Jazz. Ob in Steve Colemans mathematisch komplexen Polyrhythmen oder in Uri Caines grandiosen Klassiker-Bearbeitungen: Ralph Alessi meistert auch das scheinbar Unspielbare – mit unaufgeregter, nüchterner Brillanz. 

1999 erschien Ralph Alessis erstes Bandleader-Album. Nun, mit 50 Jahren, veröffentlicht der in Kalifornien geborene New Yorker bereits sein neuntes Werk. »Baida« heißt sein Albumdebüt auf dem renommierten deutschen Label ECM, das nicht nur Keith Jarrett und Jan Garbarek welt­berühmt machte, sondern auch auf eine reiche Tradition moderner Jazztrompeter verweisen kann. Lester Bowie, Don Cherry, Paolo Fresu, Nils Petter Molvær, Enrico Rava, Wadada Leo Smith, Tomasz Stańko, Kenny Wheeler und andere Trompeten­größen haben für ECM aufgenommen.

Nun also Ralph Alessi. Auf »Baida« interpretiert er neun eigene Stücke, das Titelstück gleich in zwei Versionen. Seine Musik klingt mal frei-atmosphärisch, mal ab­strakt verwinkelt, mal eher minimalistisch, mal durchaus zupackend. Immer aber wird Ralph Alessis trompeterische Linie deutlich: im Rhythmischen klar, im Sound direkt und kühl, präzise in der Technik. Seine hochkarätigen Begleiter – Jason Moran (Piano), Drew Gress (Bass), Nasheet Waits (Drums) – sorgen mit ihren fantasievollen Ergänzungen dafür, dass aus diesem Album eines großartigen Trompeters weit mehr wurde als nur ein Trompetenalbum.

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