professor maurice hamers - die zeit des schnabelhaltens ist jetzt vorbei

Vier Jahre lang hat er gearbeitet. Und geschwiegen. Seit vier Jahren hat der Holländer Maurice Hamers als erster und einziger Professor für Blasorchesterleitung in Deutschland seinen Stuhl an der Musikhochschule Nürnberg/Augsburg inne und trat bislang verbal höchst selten in Erscheinung. Erst nach dieser Zeit, findet der 42-Jährige, kann man Früchte ernten »und den Schnabel aufmachen«: »Darum haben wir uns sehr ruhig verhalten. Wir haben das bewusst gemacht, keine großen Sprüche, keinen Quatsch reden.« Damit hat es jetzt ein Ende. Denn nicht nur mit Thomas Ludescher, der noch während seiner Ausbildung in Augsburg als Professor für Blasorchesterleitung ans Tiroler Landeskonservatorium berufen wurde und Hamers jetzt auch als Assistent in Augsburg zur Verfügung steht, ist erfolgreiche Arbeit bewiesen. Auch das Hochschulorchester findet als wahrlich sinfonischer Bläserklangkörper über die Maßen Resonanz, Hamers Bemühungen um die Basis als Leiter des Schwäbischen Jugendblasorchesters ebenso. Jetzt, denkt der Professor, darf mal gesagt werden, wo’s langgeht.

Nach vier Jahren Erfahrung in Deutschland maßt sich Maurice Hamers an, dass es keine Anmaßung mehr ist zu sagen: »Eine Hochschule, die weiß, was genau Blasorchesterkultur sein kann, die sich im Ausland, wo diese schon weiterentwickelt ist, mal erkundigt hat, die gibt es hier nicht.« Sein erstes Ziel nach seiner Berufung sei gewesen, »meinen Kollegen zu zeigen, wie wunderbar unsere Blasorchesterlandschaft sein kann – damit sie sie nicht so verneinen und so tun, als ob es sie nicht gäbe«. Die meisten Bläser/innen, die meisten Studierenden kämen ja selber aus einem Dorfverein, hätten sich allerdings irgendwann gesagt: »Da arbeite ich nicht mehr mit im sinfonischen Bereich. Ich will nicht, dass man mich noch sieht als Trompeter oder Flügelhornist im Dorf. Denn das Image der Amateurvereine ist nicht sehr gut.« Diese Haltung läuft Hamers zuwider: »Denn es sind die eigenen Wurzeln. Viele vergessen, dass sie vielleicht etwas zurückgeben können an diese Welt, die es so sehr braucht.«

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 4/2005
  • Seite 38-41

« zurück