Posaunist Adi Becker: Endlich eine Solo-CD!

Foto: Stefan Flach – www.filter-design.de

Seit über 20 Jahren spielt Adi Becker die Posaune in der Big Band der Bundeswehr. Als Solist, Dirigent, Arrangeur und Komponist ist er zudem für zahlreiche Künstler und Orchester tätig. Eine Solo-CD aber sucht man in seiner Biografie vergebens. Bis jetzt. Denn endlich! – das muss man so deutlich und mit Ausrufezeichen schreiben – endlich ist es so weit! »Babbelou« ist am Start. Die Debüt-CD von Adi Becker. Wir fragen uns und ihn: Warum hat denn das so lange gedauert?

Adi Becker – ein rheinisches Original

Die Antwort auf diese Frage klingt noch im Hintergrund nach. Denn in der Schlossparkhalle in Geislingen geht gerade der Soundcheck für das nächste Konzert der Big Band der Bundeswehr zu Ende. Der Sänger Klaus Lage, mit dem die Band an diesem Abend spielen wird, hat gerade seine letzte Mikrofonprobe absolviert.

Am Fuße der Feuertreppe zuckt Adi Becker mit den Schultern: »Nun, vielleicht hat es einfach so lange gedauert, weil ich immer so viele andere Sachen zu tun hatte...«

Adi Becker ist ein Original. Ein rheinisches dazu. Der kölsche Einschlag scheint in jedem Satz, in jedem Wort durch. Im Rheinland zum Beispiel »schaut« man nicht, da »kuckt« man. Es bedarf gar nicht viel Fantasie, sich Adi Becker am »Büdchen« in der Domstadt – so heißen dort die Kioske, an denen man neben Getränken und Snacks auch immer den neuesten Tratsch aus dem »Veedel« bekommt – vorzustellen.

Er ist ein begnadeter Erzähler, seine Gesichtszüge sind immer in Bewegung. Mit seiner geradezu kindlichen Freude zieht er seine Zuhörer in den Bann. Mit seiner Begeisterung für die Musik allemal. Denn Adi Becker liebt Musik nicht nur – er lebt sie.

Babbelou: »Richtig eigene Musik!«

Man erkennt ihn schon von weitem: leicht schlendernd, den Rücken durchgedrückt. Seine Hemdsärmel sind hochgekrempelt, die Weste wie immer akkurat vor dem Bauch geschlossen.

»Irgendwann – wenn man dann älter wird –, werden einem bestimmte Sachen wichtig«, holt er zu den Beweggründen der CD »Babbelou« aus. »Ich hatte das Gefühl: Jetzt wird es einfach mal Zeit. Ich hatte immer das Glück, tolle Musik machen zu dürfen. Mit der Big Band der Bundeswehr und auch in vielen anderen, unterschiedlichsten Projekten.

Doch so toll das alles wirklich ist: Ich hatte das Bedürfnis, mal ›was Eigenes‹ zu machen.« Er macht eine Kunstpause. »Also richtig eigene Musik!« Seine Augen strahlen. Man merkt, dass da jemand mächtig stolz auf seine Arbeit ist.

Die Idee zur Platte lag tatsächlich schon länger in der Schublade. Aber wie das dann so ist, wenn immer viel zu tun ist: Man braucht jemanden, der einen in die richtige Richtung schubst. Im Falle von Adi Becker war das der Pianist Jürgen Friedrich, der seit 2006 als Professor für Arrangement und Komposition im Bereich »Jazz/Popularmusik« an der Musikhochschule Mannheim lehrt.

  • 03.09.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2019
  • Seite 53-55

« zurück