Philipp Gerschlauer: Das mikrotonale Saxofon

  • 01.02.2018
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 50-51

Was spielt der denn da? – Der 31-jährige Altsaxofonist Philipp Gerschlauer schickt sich an, die Welt des Jazz zu revolutionieren. Auf dem neuen Album »MikroJazz!« schlägt er mit einem hochkarätig besetzten Quintett mutige Schneisen in den Dschungel der Mikrotöne.

Altsaxofonist Philipp Gerschlauer und die Mikrotonalität

Er studierte klassisches Saxofon an der Musikhochschule Frankfurt, er studierte Jazz an der Musikhochschule Mainz, er machte seinen Bachelor in Berlin und seinen Master in New York. Auf drei Alben des Landesjugendjazzorchesters Hessen hat er mitgespielt und zwischen 2009 und 2014 mit seiner eigenen Band »Besaxung« ebenfalls drei Alben vorgelegt. Mit »Besaxung« gewann Philipp Gerschlauer außerdem den Bundeswettbewerb »Jugend jazzt«.

Seit 2007 beschäftigt sich der Altsaxofonist mit der Mikrotonalität – also mit Tonschritten, die kleiner sind als Halbtöne. Harry Partch, der um 1940 ein 43-töniges System entwickelt hat, ist für ihn »der vielleicht wichtigste amerikanische Komponist des 20. Jahrhunderts«. Außerdem beruft sich Gerschlauer bei seinen Experimenten auf den Physiker Hermann von Helmholtz und den Mathematiker Leonhard Euler.

Fürs Altsaxofon hat er eine Grifftabelle entwickelt, mit der sich 128 Tonstufen pro Oktave spielen lassen. Wenn man die auf dem Saxofon beherrscht, so Gerschlauer, »sind auch alle anderen Abstufungen dazwischen spielbar. Alle Töne dazwischen lassen sich dann wirklich über den Ansatz regeln.«

CLARINO: Wie kamen Sie eigentlich zum Saxofon?

Philipp Gerschlauer: Ich erinnere mich, dass ich schon als Kind immer dieses Instrument haben wollte, wenn ich es im Schaufenster von Musikläden sah. Es heißt, ich sei vom Saxofonisten der »Muppet Show« fasziniert gewesen. Schon als Sieben- oder Achtjähriger bekam ich dann Saxofonunterricht.

In unserem Ort gibt es einen Musikverein, und ich denke, es war wichtig, dass ich gleich von Beginn an in ein Orchester eingebunden war. So macht es am meisten Spaß: Musik bekommt eine soziale Komponente. Das ist mir bis heute sehr wichtig.

Mit zwölf Jahren entdeckte ich den New-Orleans-Jazz – nun durfte ich improvisieren! Beim Landesjugendjazzorchester Hessen war ich mit 15 Jahren das erste Mal zu Gast.

Sie sagen, das temperierte chromatische Tonsystem habe sich »verbraucht«. Wieso glauben Sie das?

Ich kann keine harmonischen Neuerungen im zwölftönigen System mehr erkennen. Alles scheint bereits dagewesen zu sein. Meine Herangehensweise bietet dagegen quasi endlose Möglichkeiten, das bereits Gesagte neu zu definieren und in neuem Licht erstrahlen zu lassen – dank einer viel größeren Anzahl möglicher Töne.

Was mich an der Arbeit mit Mikrotönen so fasziniert, das sind die Harmonien, die dadurch entstehen. Mit quasi unbegrenzt vielen Tonhöhen gibt es nun auch unendlich viele Akkordkombinationen.

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