Peter Lehel - Tausendsassa am Saxofon

Die Big Band der Hochschule für Musik in Karlsruhe pumpt gute Laune in den Probensaal. Keineswegs akademisch versteift, sondern mit lässigem Hüftschwung grooven die Studierenden durch druckfrische Arrangements. Angerichtet hat das feine Menü wie immer Peter Lehel, Dozent, Spiritus Rector und Taktgeber in Personalunion.

»Man wollte unbedingt den Jazz hier an der Hochschule für die Schulmusiker anbieten. Die sollen später ihren Schäflein mit dem nötigen Know-how gegenübertreten und den Musikunterricht lebendig und mit heutiger Musik gestalten können.«

Peter Lehel als Full-Time-Aktivomat zu beschreiben ist eher Unter- als Übertreibung. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein gerade fertig gewordenes Arrangement, daneben zwei neue CDs, die im eigenen Label Finetone-Music veröffentlicht wurden, in seinem Kalender sind für die nächsten Wochen Konzerte mit dem Peter Lehel Quartet, Arbeitsphasen mit den Jazz Juniors Baden-Württemberg neben Meisterklassen fein säuberlich notiert.

Peter Lehels musikalische Wurzeln: Klarinette im Musikverein

Gezündet hat die Karriere im kleinen Elchesheim-Illingen südlich von Karlsruhe. Dort wurde Peter Lehel vor genau 50 Jahren geboren.

Als Eltern standen an der Wiege kein Musikprofessor und keine Starpianistin, betont der Künstler mit einem Lächeln. »Meine Oma hat irgendwann gesagt, der Bub lernt jetzt mal Klarinette, denn im Ort gab es einen Musikverein und sie kannte zufällig einen der Musiker, der das Instrument spielte.«

Der Jazz-Blitz schlug mit einer John-Coltrane-Aufnahme ein

Drei Jahre ist Peter Lehel erst einmal fleißig Tonleitern hoch und ­runter geklettert und hat sich als Talent geoutet. Dann wurde er zum Saxofonisten »befördert«, musste sich aber mangels Lehrer vieles autodidaktisch aneignen. Der Jazz-Blitz schlug bei einem Privatbesuch in New York ein.

»Als Jugendlicher bin ich dort in einen Plattenladen, habe mit meinem schütteren Schulenglisch nach einer Jazz-Platte gefragt und bekam eine John-Coltrane-Aufnahme in die Hände gedrückt. Als ich die zu Hause auflegte, war ich infiziert, genau so wollte ich spielen und Musik machen.«

  • 26.01.2016
  • Szene
  • Georg Wassmuth
  • Ausgabe: 2/2016
  • Seite 50-51

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