passion des cuivres - musik ist die sprache der leidenschaft

Die Kornettistin Ute Hartwich rauscht in einem Traum aus Rot auf die Bühne, die Herren des Ensembles folgen im edlen Gehrock. Zum Hemd mit Stehkragen tragen sie einen feinen Krawattenschal, den »Plastron«. Schon der Auftritt, das muss man dem Ensemble »Passion des Cuivres« neidlos lassen, verschlägt dem Konzertbesucher in verbeulten Jeans kurzerhand die Sprache. Schade, dass man sein Opernglas zu Hause vergessen hat, denn auch das Instrumentarium des Quintetts ist eine reine Augenweide. Ute Hartwich und Robert Vanryne spielen Kornette, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden, Steffen Launer ein obertonreiches, aus 3,70 Meter Rohrlänge gewickeltes reines F-Horn, dazu kommt die eng mensurierte Tenorposaune von Bernhard Meier. Und dann ist auch die kleine Instrumentenkunde des durchschnittlichen Konzertbesuchers erschöpft. Die merkwürdige Metallröhre mit Klappenmechanik in den Händen von Erhard Schwartz lässt den ein oder anderen nervös im Programmheft rascheln, stand da nicht etwas? Der, das, nein, die Ophikleide ist eine vornehme Bassstimme aus dem Land der Klappenhörner.

"Die 5 hervorragenden Musiker von 'Passion des Cuivres' können nicht nur in heute einzigartiger Weise den Klang der Blechblasinstrumente des 19. Jahrhunderts vermitteln, sie machen uns auch bewußt, was wir durch die 'moderne' Entwicklung verloren haben. - Diese Musik klingt so einfach viel besser als auf den sogenannten modernen Instrumenten. Genau genommen will man sie nur so hören."

Die Instrumente/strong>

Das Kornett
Das Kornett wurde in Frankreich um 1828 von Jean Louis Antoine Halary konstruiert. Es unterscheidet sich von der Trompete im wesentlichen durch seine runde Bauweise, den konischen Rohrverlauf und das tiefe, trichterförmige Mundstück. Üblicherweise stimmen Kornette in B, manchmal allerdings auch in C. Kornette wurden vor allem in französischen, italienischen, englischen und amerikanischen Militärkapellen gespielt und waren seit 1840 jahrzehntelang in der Salonmusik und als Soloinstrument äußert populär. Aufgrund der bequemeren Spielart und dem weicheren Klang, erfreute sich das Kornett auch in Sinfonieorchestern zunehmender Beliebtheit und verdrängte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast gänzlich die Trompete. Wir verwenden zwei originale Instrumente von ca. 1830 und 1850.

Das Horn
Aus Tierhörnen und Muscheln gefertigt, diente das Horn schon in grauer Vorzeit als Jagd- und Signalinstrument. Das 19.Jahrhundert brachte wesentliche Veränderungen: 1814 entwickelten Heinrich Stölzel und Friedrich Blühmel die ersten Ventile und somit wurde aus dem Naturhorn ein chromatisch spielbares Instrument, das sich um 1850 in fast allen Orchestern durchgesetzt hatte. War die Stimmung zunächst auf F festgelegt, versuchte man bald kürzere Hörner in B, die wesentlich besser und sicherer in der Höhe ansprachen. 1897 vereinten Eduard Kruspe und Bartholomäus Geisig beide Stimmungen zum Doppelhorn, das bis heute geblasen wird. In unserem Ensemble benutzen wir ein F-Horn mit immerhin 3,70 m Rohrlänge, welches der Zeit entspricht und durch seinen großen Reichtum an Obertönen besticht.

Die Posaune
Obwohl die Posaune schon als jobel, schofar bzw. keren in der Bibel erwähnt wird, erscheint ihre jetzige Form in Darstellungen um 1460 und kommt möglicherweise aus Italien oder Flandern. Der Zug entspricht in seiner Funktion den Ventilen, er reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und macht daher die Posaune zum ältesten Blechblasinstrument mit chromatischem Tonumfang. Werden heute mehrere verschiedene Rohrlängen, also Alt-, Tenor- und Bassposaunen, geblasen, bestand die bedeutendste Entwicklung im 19. Jahrhundert darin, daß - zuerst in Frankreich und dann ab ca. 1810 in Österreich - alle drei Posaunenstimmungen von nur noch einem Instrumentenmodell, nämlich der Tenorposaune in B, wahrgenommen wurden. Wir spielen eine engmensurierte Tenorposaune, die zum durchsichtigen Klangbild hervorragend passt.

Die Ophicleide
Die Ophicleide ist das Baßinstrument der Klappenhörner. Ihr Name ist ein Kunstwort, er setzt sich aus den griechischen Wörtern für Schlange (ophios) und Klappe (kleidos) zusammen und bedeutet eigentlich "ein Serpent mit Klappen". Die Ophicleide wurde vom Erfinder des Kornetts, Jean Louis Antoine Halary, 1817 in Paris entwickelt. Sie hat neun bis zwölf Messingklappen, deren Polster aus Ziegenleder mit Schwanendaunen oder Wolle gefüllt sind. Die Klappen dienen, wie vergleichsweise bei Holzblasinstrumenten, dem Verändern der Rohrlänge und somit der Tonhöhe. Zwischen 1820 und 1880 spielte die Ophicleide in Militärkapellen und in der Blechbläser-Sektion der Orchester die Baßstimme, sie wurde seit Entwicklung der Tuba im Jahre 1835 nach und nach von der Tuba abgelöst, da die Ophicleide gegenüber der Tuba ein geringeres Tonvolumen besitzt, was insbesondere für die Aufführung von Freiluftmusik nachteilig war. Sie beeindruckt vor allem durch den im Vergleich zur Tuba schlankeren, kernigeren Ton, verbunden mit einem fantastischen Mischverhalten zu den anderen Instrumenten.

www.passion-cuivres.com

  • 21.09.2011
  • Aktuell
  • Georg Waßmuth
  • Ausgabe: 3/2007
  • Seite 30-33

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