Nicht von der Stange - B-Konzerttrompete Titan 5495 handmade von Stomvi

  • 20.03.2013
  • Test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2013
  • Seite 58-60

Im Fußball kommt man an den Spaniern nicht vorbei. Ob die Nationalmannschaften oder Vereinsmannschaften wie der FC Barcelona oder Real Madrid: Das schöne Spiel, in der jüngeren Vergangenheit sogar erfolgreich, verzückt den Fußballfreund. Doch das schöne Spiel beherrschen die Freunde von der ­iberischen Halbinsel nicht nur mit dem Fuß. Auch der Musiker – und speziell der Trompeter und der ­Posaunist – findet in Spanien allerbestes »Handwerkszeug«: Bei Stomvi in Xirivella.

Etwa zu der Zeit, als die Valencianische Gemeinschaft (Comunitat Valenciana), eine an der Mittelmeerküste gelegene auto­nome Gemeinschaft Spaniens, im Jahre 1982 gebildet wurde, überlegten sich hier auch die Brüder Honorato, eine Manufaktur für Blasblasinstrumente ins Leben zu rufen. Angetrieben von ihrem großen Ziel hatten sie sich vorgenommen »ganz an­dere«, »neue« Instrumente auf den Markt zu bringen. Ihre Ansprüche untermauerten sie durch erfolgreiche Akustik-Tests. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Spezialisten wie Profimusikern, Akustik-Inge­nieuren und Maschinenbauern wurde die Marke Stomvi schnell erfolgreich. Mittlerweile werden in Xirivella, einer Nachbargemeinde der Stadt Valencia, vom ein­fachen Schülerinstrument bis zu den Meistermodellen alle Instrumente unter strenger Qualitätskontrolle produziert. Zum Test lag der Redaktion eine B-Konzerttrompete 5495 aus der Titan-Reihe vor. Ob die Tester La Ola gemacht haben, ist nicht überliefert – aber begeistert waren sie auf jeden Fall. 

Vor etwa drei Jahren hat Stomvi die Périnetventil-Trompeten in der Titan-Serie eingeführt, was für die Firma einen Wendepunkt in der Instrumentenherstellung bedeutete. Antrieb war es, ein Instrument zu schaffen, »das sich für Bläser anfühlt, als sei es aus einem Guss, verbunden mit einem außergewöhnlichen Klang«. 

Das sagt der Musiker

Für den Trompeter Daniel Ackermann ist der erste Eindruck bei einem Instrument oft entscheidend, wie er anmerkt. »Und ich bin nicht nur positiv überrascht vom optischen Erscheinen der zu testenden Stomvi-Konzerttrompete, sondern nach den ersten Tönen auch durchaus angetan vom Spielen darauf.« Der »musikalische Tester« hat zum Test zwei Mundrohre, drei Schallstücke und das Stomvi-Mundstück zur Verfügung gestellt bekommen. 

»Zunächst spiele ich auf dem 3er-Mund­rohr«, erläutert er, »und fühle mich spontan, wie auch danach auf dem 5er-Mund­rohr, sehr wohl darauf.« Die Ansprache und die Intonation sind bei beiden sehr gut, schlechte Töne gibt es quasi nicht. Das 5er-Mundrohr ist etwas größer »und kommt mir persönlich eher entgegen«.

Sozusagen »von Werk« montiert ist das Kupferschallstück. Ackermann: »Der Klang ist sehr gefällig, eher dunkel. Er erscheint in den oberen Registern ein bisschen schwerfällig, die Intonation bleibt aber stabil.« Als nächstes montiert der Tester das Bellflex-Schallstück. Die Montage mit den Schrauben an den Stegen ist leicht zu bewerkstelligen und geht schnell. (Dies scheint das Standardschallstück zu sein, zumal auch noch ein Goldmessingschall zur Verfügung steht.) »Mit dem Bellflex geht die Trom­pete leicht los, fast ein wenig zu viel. Eine gute Kontrolle des Spielers ist wichtig, da sie sonst zum Übersteuern neigt. Diese ­Va­riante würde ich bei Werken einsetzen, bei denen man schön leise ›tupfen‹ muss.«

»Mein Favorit«, schwärmt Ackermann, »ist aber das Goldmessing-Schallstück. In dieser Version ist das Instrument ausgewogen im Klang und in allen Registern leichtgängig. Intonation und Ansprache sind sehr gut.« Allerdings, merkt der Tester an, sei das natürlich auch alles Geschmackssache. »Man hat die Qual der Wahl. Besitzt man alle drei Schallstücke, kann man je nach aufzuführendem Werk entscheiden. Sucht man ein Schallstück für möglichst alles – also einen sehr guten Kompromiss – würde ich den Goldmessingschall nehmen.«

Die »deutsche« Maschine der Trompete ist sehr gut, der Trigger funktioniert ein­wandfrei, das Handling insgesamt ist sehr gut. »Das mitgelieferte Mundstück Stomvi 1½ C, Rotary 24, Schaft 19, ist keine Überraschung«, findet der Trompeter, »kommt es doch den üblichen Mundstücken anderer Firmen sehr nahe. Es passt zur Trompete. Aber gerade in Mundstückfragen müssen wir Trompeter uns unser eigenes Bild machen.«

Im Lieferumfang des Instruments ist außerdem ein kompaktes Gigbag für zwei Trompeten enthalten, das mit Schultergurt oder auch als Rucksack tragbar ist.

Fazit: »Die Stomvi-Konzerttrompete ist ein sehr gutes Profi-Instrument und als ­solches erfüllt sie alle an sie gestellten Erwartungen. Offensichtliche Schwächen oder Mängel gibt es keine. Durch die gute Auswahl an Variationsmöglichkeiten in ­Sachen Mundrohr und Schallstück ist für jeden etwas dabei.« Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist sehr gut und muss sich keinesfalls hinter den Konkurrenten verstecken.

Das sagt der Handwerker

Metallblasinstrumentenmachermeister Holger Henke vom Bläserstudio Koblenz hat natürlich die gleiche Konzerttrompete (Seriennumer #35344) aus der Trompetenschmiede Stomvi in versilberter Ausführung vorliegen.

»Der Korpus mit dem 130-mm-Becher«, erkennt Henke, »macht einen sehr robusten Eindruck. Die Wechselschallaufnahme und die drei verschraubten Stützen sind passgenau und ermöglichen einen schnellen, gefahrlosen Schallwechsel.« Durch die Wechselschallaufnahme und das austauschbare Mundrohr sind weite Teile des Korpus doppelwandig. Dadurch wirkt die Trompete optisch sehr kompakt und kraftvoll. Die Vermutung, dass dies auch im Gewicht zu Buche schlägt, überprüft der Tester umgehend: »1120 Gramm sind zwar leicht über dem Durchschnitt, aber durchaus noch bequem zu handhaben.«

Die verschiedenen Mundrohre sind einschraubbar und der Zwischenraum zwischen Mundrohrende und Maschine lässt sich mittels einer Überwurfmutter sogar noch einmal feinjustieren und fixieren. »Alles­ in allem sind die Verarbeitung der mechanischen Verbindungen sehr schön, die Oberflächen auf hohem Niveau und die Lötstellen sauber garbeitet.« Kleinere Details wie die Ornamente am Wasserklappenhebel und der Schallstückaufnahme sowie das schlichte, moderne Stützendesign stechen positiv ins Auge. Die Maschine vom Hersteller Meinlschmidt aus Ober­bayern ist auf gewohnt höchstem Standard für Drehventile und lässt sich daher mit einigen Handgriffen in der Werkstatt auch präzise in Federdruck und Geläufigkeit auf die Bedürfnisse aller Spieler einstellen. Die Bronzewechsel verfügen über eine Schmierrille, die das Öl zielgerichtet an die Lager führt. Der handwerkliche Test wurde mit Hetman-Ölen durchgeführt, was für die Verwendung für dieses Instrument auch empfohlen wird. Die Züge laufen präzise und der Trigger des 3. Ventilzuges ist durchdacht und mit einem Wasserzug ausgestattet. 

Fazit: Das gesamte Instrument liegt gut austariert in der Hand und vermittelt einen insgesamt sehr hochwertigen Eindruck.

Stomvi ist es gelungen, den charakteristischen Ton der Drehventiltrompeten mit den Qualitätsmerkmalen der Titan-Serie zu vereinen. Die Spanier haben die Herausforderung angenommen und der Musiker wird damit nun belohnt. Aus den Eindrücken beider Tester lässt sich zusammenfassen, dass sich hier Spiel­freude, Technik und Kunst zum schönen Spiel verbinden lassen. Und da geht es noch nicht einmal um Fußball.

Die Tester

Holger Henke ist Metallblasinstrumentenmachermeister. Er legte seine Gesellenprüfung mit »sehr gut« ab und erreichte neben dem Titel »Hessischer Landessieger« auch den 3. Bundessieger im praktischen Wettbewerb der Handwerksjugend. 1999 absolvierte er seine Meisterprüfung, wiederum als Jahrgangsbester. Henke arbeitete unter anderem bei der Muziekcentrale Adams in den Niederlanden und der Firma Markus Leuchter Metallblasinstrumentenbau in Herzogenrath. Seit 2009 gehört er zum Team des Bläserstudios Koblenz und widmet sich der Be­treuung der Blechbläser.

www.blaeserstudio.de

Daniel Ackermann

begann seine Laufbahn mit neun Jahren. Später studierte er in Mainz, Köln und Luxemburg, unter anderem bei Malte Burba, Friedemann Immer und Matthias Höfs. Er sammelte solistische Erfahrungen und wurde Mitglied des Landes-Jugend-Ensembles für Neue Musik Rheinland-Pfalz. Seit 2000 ist Ackermann in verschiedenen Orchestern tätig und beschäftigt sich da­rüber hinaus intensiv mit Neuer Musik sowie Swing, Jazz und Soul.

www.daniel-ackermann.de

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