Neues Marinemusikkorps in Wilhelmshaven

Matthias Prock übernimm das Marinemusikkorps in Wilhelmshaven. Foto: privat

Vor fünf Jahren wurde das Marinemusikkorps Nordsee im Zuge der damaligen Strukturreform aufgelöst. Nun heißt es: Kommando zurück! Ab Oktober spielt an der Nordsee wieder die Musik. In Wilhelmshaven wird ein zweites Marinemusikkorps neu aufgestellt. Wie es dazu kam? Wir trafen uns mit dem zukünftigen Leiter Oberstleutnant Matthias Prock.

Ein kurzer Rückblick: Bereits 2010 sprach der damalige Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg in Hamburg davon, die Bundeswehr müsse von Grund auf umstrukturiert werden. Diese Bundeswehrreform war auch mit dem Rücktritt Guttenbergs nicht vom Tisch.

Im Gegenteil, sein Nachfolger Thomas de Maizière setzte die Planungen fort und die Ankündigung zügig um. Neben der Truppenreduzierung um 31 Standorte wurden auch fünf Musikkorps aufgelöst: das Luftwaffenmusikkorps 1 Neubiberg, das Luftwaffenmusikkorps 2 Karlsruhe, das Luftwaffenmusikkorps 4 Berlin, das Wehrbereichsmusikkorps III Erfurt und das Marinemusikkorps Nordsee in Wilhelmshaven.

»Natürlich hätte ich mir als Militärmusiker gewünscht, dass überhaupt kein Musikkorps geschlossen werden müsste«, erklärte damals der Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr, Oberst Dr. Michael Schramm Doch müsse man das realistisch betrachten.

Nun also der Sinneswandel: Am Standort des letztgenannten Musikkorps wird es wieder Militärmusik geben. Den aktuellen Bezeichnungen der Musikkorps folgend, ohne den Zusatz »Nordsee«.

Notwendigkeit erkannt

Oberstleutnant Matthias Prock erklärt dazu, dass man in Wilhelmshaven schlichtweg die Notwendigkeit erkannt habe, dass man die Musiker brauche. Wilhelmshaven ist Deutschlands größter Bundeswehrstandort. Fast 9000 Bundeswehrangehörige sind hier stationiert und der Großteil der Schiffe liegt in Wilhelmshaven. Und eben diese Schiffe sind ein wesentlicher Grund: Das traditionelle Ein- und Auslaufen der Schiffe erfolgt in einem militärisch zeremoniellen Rahmen.

 »Diese Zeremonien«, rechnet Prock vor, »konnten die verbliebenen umliegenden Musikkorps nicht mehr bewerkstelligen.« Es wurden dann zwar andere Orchester vom Zentrum Militärmusik in Bonn eingeplant – beispielsweise das Luftwaffenmusikkorps Münster oder das Heeresmusikkorps Hannover – und diese haben Teile der Einsätze übernommen, doch es war insgesamt trotzdem nicht abzudecken. »Der Bedarf war deutlich größer als das, was geleistet werden konnte.«

Starkes Signal der Wertschätzung

Zunächst wurde der Wunsch zur Etablierung eines Militärorchesters in Wilhelmshaven in der Bevölkerung artikuliert. Die militärische Führung der Marine brachte dies ebenfalls ins Gespräch. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, begrüßt deshalb auch diese Entscheidung:

»Ich bin sehr dankbar für diese Entscheidung! Das Auslaufen unserer Schiffe zu Einsätzen, besonders aber ihre glückliche Rückkehr, wird für die Frauen und Männer der Marine durch Musik zu einem sehr emotionalen Moment. Das macht Gänsehaut.«

  • 21.06.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2019
  • Seite 49-51

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