Musiker und ihr »Carbon Footprint«

Grafik: Nadine Bayer

Die Tuba noch schnell auf dem Rücksitz angeschnallt, den Zündschlüssel rumgedreht und schon wird das dicke Blech-Baby mit 100 PS zur Probe kutschiert. Munter klopft der Diesel, während aus dem Doppelauspuff Rauchwölkchen aufsteigen und am Fenster die idyllische Landschaft vorbeizieht.

Ein extrem mobiles Völkchen

Was wie ein Klischee des kleinen Umweltteufels klingt, ist in Wirklichkeit vielleicht gar nicht so weit hergeholt: Musiker sind ein extrem mobiles Völkchen. Der CO2-Fußabdruck (carbon footprint) der »Reisenden in Sachen Tonwaren« spottet oft jeder Beschreibung. 

Der eine steigt für eine gute Mugge mal schnell in die Kiste und brettert quer durch die Republik, die andere jettet als Orchesteraushilfe mit Schmink- und Flötenköfferchen für 25,95 Euro von Köln nach Berlin. Man spielt für gutes Geld, das Umweltgewissen ist der- weil zu Hause tief im Schrank verstaut.

Klimakiller vor idyllischer Urlaubskulisse

Als Klimakiller agieren auch zahlreiche Künstler, die auf Kreuzfahrtschiffen für gute Laune sorgen. Gegen freie Kost und Logis plus einer ordentlichen Gage obendrauf werden sie von den Reedereien gesucht und engagiert, denn 2,3 Millionen Deutsche buchen mittlerweile jährlich eine Kreuzfahrt. 

Der Energieverbrauch dieser schwimmenden Hotels ist gigantisch, mit ihren Feinstaub- und Stickoxidemissionen belasten sie extrem unsere Atmosphäre. Die Combo an Bord interessiert das wenig. Sie liefern den Sound zur Urlaubskulisse, während aus den Schornsteinen der Schiffsgiganten in rauen Mengen Luftschadstoffe gepustet werden.

Übergroße CO2-Fußabdrücke

Die Spuren übergroßer CO2-Fußabdrücke sind leicht zu finden. Hinterlassen werden sie natürlich nicht nur von den Aktiven auf der Bühne, sondern auch von den Fans. Schon die legendären »Live Earth«-Konzerte im Jahr 2007 waren ein zweifelhafter Event der Extraklasse.

  • 24.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Georg Waßmuth
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 26

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