Musikalische Grenzen erweitern - Hansjörg Fink und Elmar Lehnen

Sechs marianische Choräle, Bestandteile der Liturgie der katholischen Kirche, dienten als Ausgangspunkt für die vorliegende CD. Hansjörg Fink und Elmar Lehnen gestalteten in einem gemeinsamen Schaffensprozess vier Werke: »Sternsuche« (nach Ave Maris Stella), »Klangbilder« (nach Salve Regina), »Jubel der Himmelskönigin« (nach Regina Caeli) und »Wandelgänge« (nach Ave Regina Coelorum). Außergewöhnlich ist dabei, dass melodische, harmonische und rhythmische Strukturen erarbeitet wurden, die für spontane Interpretation und Improvisation viel Freiraum lassen und die ursprünglichen Choräle um ein Vielfaches erweitern. Klaus Härtel sprach mit dem Posaunisten Hansjörg Fink über Choräle, Improvisation und die Orgel als Blasorchester.

clarino.print: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, diese CD aufzunehmen?

Hansjörg Fink: Im Sommer 2008 habe ich mich gemeinsam mit Herrn Lehnen auf ein Konzert in der Marienbasilika in Kevelaer vorbereitet. Neben dem klassischen Standardrepertoire für Posaune und Orgel wollten wir etwas Neues und Eigenes ins Programm aufnehmen. Lehnen schlug einen Marienchoral (Ave Maris Stella, thematisch passend zur Basilika) als Ausgangsmaterial vor, den wir selbst bearbeiteten und darin Raum ließen für freie Interpretation und Improvisation. Wir nahmen uns viel Zeit, schrieben viel auf, probierten aus, verwarfen wieder und entwickelten nach und nach unser erstes gemeinsames Werk (»Sternsuche«). Aufgrund der sehr guten und angenehmen Zusammenarbeit entstand in einem sehr kreativen und musikalisch offenen Schaffensprozess ein spannendes Werk, das einen eigenen Stil verkörpert. Trotz unserer unterschiedlichen Herkunft (Kirchenmusik/Jazz) fanden wir bezüglich Experimentierfreudigkeit, stilistischer Offenheit, Improvisation, neuer Klangfarben und unkonventioneller Strukturen viele Gemeinsamkeiten in unserer Arbeitsweise. Das Resultat hat uns überzeugt und die Idee war geboren, eine CD mit hauptsächlich solchen Werken einzuspielen.


  • 21.09.2011
  • Interview
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 36-37

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