Musikalisch überzeugend - Adams-Flügelhorn »Custom Series«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2010
  • Seite 20-23

Der niederländischen Firma Adams ist es ein Anliegen, dass der Musiker das für ihn perfekte Instrument in den Händen hält. Und »verschiedene Metalle wie Messing, Goldmessing oder Silber so lange von Hand zu bearbeiten, bis ein Musikinstrument daraus entsteht, war die Herausforderung«, heißt es aus Ittervoort. Und tatsächlich werden die Instrumente von Adams komplett in Handarbeit gefertigt. Die Leidenschaft des Handwerks soll in die Leidenschaft im Klang umgewandelt werden. »Passion in Sound« heißt der internationale Slogan.

Während die Pauken, Röhrenglocken und die anderen Schlaginstrumente aus Ittervoort überall auf der Welt im Einsatz sind, gehören die Adams-Blasinstrumente außerhalb der Niederlande nicht zu den erstgenannten, wenn man nach großen Herstellern fragt. Erstaunlich eigentlich, denn Adams ist in den blasmusikbegeisterten Niederlanden eine richtig große Nummer. Und unter Insidern wird die Adams-Zentrale in Ittervoort bei Thorn an der holländisch-belgischen Grenze längst als heiße Adresse gehandelt, weil in den Bläserateliers der Adams Muziekcentrale eine große Auswahl hervorragender Instrumente zu finden ist.Und nach eigenen Angaben ist es vor allem das Wissen, das sich seit Jahrzehnten in der Produktion der bekannten Pauken aufgebaut hat, das den Prozess begleitet, der auch das Metall zum Klingen bringt. »Dazu gehören Erfahrung, Fehler, Experimente, die Kombination von traditionellen Techniken und Handwerk mit den neuesten elektronischen Möglichkeiten.«

Der Redaktion bzw. den beiden Testern lagen zwei Flügelhörner der »Custom Series«, zwei baugleiche Instrumente, vor, die sich in Oberflächenfinish und Material unterscheiden. Das Schallstück des einen Instruments besteht aus Messing und ist matt lackiert, das Schallstück des anderen aus Goldmessing und ist versilbert. Ein Unterschied, der sich vor allem für den musikalischen Tester Andy Haderer bemerkbar machte. Die Instrumente sind mit zwei Mundrohren ausgestattet. Weiterhin gehören zwei Wasserklappen zur Ausstattung und ein Trigger am 3. Ventilzug. Mit zum Lieferumfang des Adams-Flügelhorns gehört ein Softbag, das ein Sonderlob erhält. Das zum Test mitgelieferte »Bonna Case« ist allerdings nur gegen Aufpreis (200 Euro) erhältlich.Der Hersteller bietet für seine Flügelhorn-Serie viele Kombinationsmöglichkeiten verschiedenster Bauteile und Materialien. »Als Kunde«, meint der handwerkliche Tester Dominikus Schmelzer, »ist es nicht ganz einfach, ohne fachgerechte Anleitung das richtige Instrument aus den verschiedenen ›Bauteilen‹ zusammenzustellen.« Allerdings weist der Hersteller auch ausdrücklich darauf hin, dass das Instrument den persönlichen Wünschen angepasst wird. Und der Profi – für den diese Instrumente schließlich gebaut werden – hat seine Vorstellungen ohnehin bereits im Kopf.

Der handwerkliche Test

Auf dem Außenzug wird durch den Hersteller die verarbeitete Blechstärke des Instruments eingraviert (im konkreten Fall 0,45 bzw. 0,50 mm). Der Mundstücksitz ist nach einem kurzen Andrehen des Mundstücks zwar fest, aber undefiniert. Es kann ein Trompetenmundstück, ein deutsches Flügelhornmundstück und ein Flügelhornmundstück mit amerikanischem Schaft in das Mundrohr gesteckt werden. Der Übergang vom Mundstück zum Instrument wurde für keines der drei Varianten vom Hersteller exakt angepasst.

Die dreiteilige Périnet-Maschine ist leichtgängig und laufruhig, so wie man sich das von einem professionellen Instrument vorstellt. Die Bauart der Maschine lässt sich auf ein Bauerfeind-Produkt zurückführen. Der kurze und gleichmäßige Drückerweg ist für den Spieler sehr angenehm und ermöglicht ein schnelles Wechseln der Ventilkombinationen. Auch hier wurden Neusilberaußenzüge verwendet. Der Zug des 3. Ventils wurde mit einem Trigger versehen, der durch seinen großen Hebel leicht zu bedienen ist und gut in der Hand liegt. Die Wasserklappe an diesem Zug rundet das Gesamtkonzept optimal ab.

Dabei ist es mit den Wasserklappen immer so eine Sache. Die einen befürchten ungünstige Luftverwirbelungen durch die Öffnung nach außen. Auf der anderen Seite steht natürlich die Notwendigkeit, das Wasser schnell aus dem Instrument entfernen zu können. Das geht leider nur per Wasserklappe, vor allem bei Zügen, die nach unten zeigen. Aus diesen Zügen lässt sich das Kondenswasser nämlich nicht besonders schnell »herauskippen«. Was am Adams-Flügelhorn von dieser Warte aus gesehen fehlt, ist also eine Wasserklappe am 1. Ventilzug, der nach unten zeigt. Der 3. Zug weist eine Wasserklappe auf, ebenso wie das Hauptrohr. Die Wasserklappe am 3. Ventilzug ist gut zu bedienen. Im Allgemeinen gelten Amado-Wasserklappen als strömungsfreundlicher, weil sie mit einer kleineren Rohröffnung zufrieden sind. Dafür lassen Korkwasserklappen in derselben Zeit mehr Wasser nach außen. Das dürfte auch der Hauptgrund für die Korkausführung der Wasserklappe sein.

Leider wurde in der Werkstatt sowohl bei dem Korbbogen des Anstoßes als auch am Schallstück nicht auf jedes Detail geachtet. So sind beide Biegungen flach und asymmetrisch. Beim genauen Betrachten sind Flachstellen im Bogen erkennbar. Handwerklich schöner wäre hier ein gleichmäßig verlaufender Bogen. Der Schallstückverlauf endet in einem Durchmesser von 150 mm.

Für das Korpusmaterial bietet Adams unterschiedliche Lösungen. Zum einen weiche Legierungen wie Goldmessing und Messing, aber auch ein härteres Material mit Sterling-Silber. Auch bei der Oberflächenveredelung hat der Kunde die Wahl: Klarlack, matt lackiert, versilbert, matt versilbert, vergoldet, unlackiert.Keine guten Noten bekommen die Instrumente, was die Verarbeitung angeht – wobei das versilberte Instrument deutlich besser gelungen ist, als das matt lackierte. Die Versilberung kommt edel daher. Die Lötstellen aber wurden teilweise nicht sauber ausgeführt und nachbearbeitet. Das hat keine technischen oder spielerischen Auswirkungen, aber es ist einfach optisch nicht besonders gelungen und trübt das Bild etwas. Überschüssiges Zinn wurde teilweise nicht komplett entfernt oder so undefiniert abpoliert, dass Polierriefen entstanden sind. Bei der weiteren Reinigung wurden einige Polierseifenrückstände nicht entfernt, die einen sichtbaren schwarzen Rand unter dem Lack zurück lassen.

Der praktische Test

Die Beurteilung des musikalischen Testers Andy Haderer ist überwiegend positiv. Im Praxistest schneidet das Instrument besser ab als im handwerklichen Test, es zeigt also sein wahres Gesicht. Und sagt man nicht ohnehin, dass es auf die inneren Werte ankomme? Diese Frage allerdings muss jeder Musiker für sich selbst beantworten.Andy Haderer ist mit dem Instrument zufrieden. Vor allem in Ansprache und Intonation erhält die »Custom Series« gute bis sehr gute Noten. Auch der Klang überzeugt den Tester. Allerdings präferiert er hier das matt lackierte. Dieses Instrument nämlich besticht durch den kompakten, aber trotzdem weichen Sound, während das versilberte Instrument Probleme bereitet, »die Töne zu fühlen. Das versilberte Instrument hat eine sehr leichte Ansprache, sieht gut aus und stimmt sehr gut. Auch beim lauten spielen bleibt das Instrument rund im Klang. Mir persönlich steht der Maschinenstock etwas zu hoch«, konstatiert Haderer, »daher habe ich das Problem, das Instrument leicht zu bedienen.« Außerdem sind die Ventilkappen »mir persönlich« zu flach, dadurch fühlt sich das Instrument schwerfällig an.

Dies allerdings sind sehr subjektive Eindrücke. Jeder Musiker muss für sich selbst die richtige Bauweise finden.»Der Unterschied der verschiedenen Oberflächen stellt sich mir so dar: Normalerweise sind lackierte Instrumente etwas dunkler und versilberte haben etwas mehr Obertöne. Bei den vorliegenden Modellen ist es eher umgekehrt. Das lackierte Instrument ist offener und heller.« Der Grund dürfte also im Korpusmaterial zu finden sein.

Fazit

Die »Custom Series«-Flügelhörner überzeugen im Praxistest. Sie bieten gute Spieleigenschaften und stellen den Praxistester zufrieden. Der Einsatzbereich des Flügelhorns liegt in der lackierten Version im Bigband-Bereich, in der versilberten in der Jazzcombo – oder jeweils als Soloinstrument. Andy Haderer bescheinigt den Instrumenten Professionalität, vor allem keinerlei intonatorische Schwächen. Schlechte Töne sind schlichtweg nicht vorhanden. Leider fällt der handwerkliche Bereich ab.

Die Tester

Andy Haderer arbeitete nach klassischem Trompeten-Studium als Musiker im Musical »Cats« und in der ORF-Jazzbigband, aber auch als Solist bei Teddy Ehrenreich und in kleineren Formationen wie Jazz Ahead. 1985 bis 1988 spielte er bei der Radio Big Band Zürich, ab 1986 auch bei Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass. Seit 1988 ist er in der WDR Big Band Köln als Lead-Trompeter beschäftigt. 1999 wurde er zum Professor für Jazztrompete an der Hochschule für Musik Köln ernannt.

Dominikus Schmelzer machte seine Berufsausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher bei Wenzel Meinl in Geretsried, wo er auch ein weiteres Gesellenjahr im Tuben-, Cimbasso- und Basstrompetenbau ablegte. Er erlangte 2004 den Meisterbrief zum Metallblasinstrumentenmacher und ist heute Geschäftsführer des Musikhauses Frei in Marktoberdorf.

« zurück