Musik und Interdisziplinarität

Foto: Nadine Bayer

Musik und Literatur, Musik und Sprache, Musik und Kunst, Musik und Geschichte, Musik und Politik, Musik und Natur, Musik und Astronomie, Musik und... Die Liste ließe sich endlos weiter fortsetzen, ebenso wie die Liste möglicher und tatsächlich stattfindender Veranstaltungen, die sich aus diesem Potpourri der Disziplinen basteln lassen: Eine Lesung mit Sonetten von Shakespeare und Musik von Dowland, ein Abend im Planetarium mit Gustav Holsts »Die Planeten«, ein Ausstellungskonzept zum Impressionismus mit Bildern von Monet und Konzert­ abenden mit Musik von Debussy,...

Musik &. In dem »&« klingt etwas an, was der bunte Veranstaltungsreigen spiegeln möchte: Interdisziplinarität. Eine Bezeichnung, die in letzter Zeit zu einem Modewort avanciert ist. 

Gerade in der Wissenschaft wird kaum ein Begriff so häufig bemüht wie »Interdisziplinarität«. Ringvorlesungen, Forschungsansätze, Seminare, Studiengänge – alles interdisziplinär! Wo »interdisziplinär« gearbeitet wird, wird besser gearbeitet, kompetenter, zukunftsweisender – so scheint es zumindest. Offenbar besteht die Auffassung, dass etwas, das »interdisziplinär« ist, schon einmal grundsätzlich besser ist als etwas ohne diesen Zusatz.

Aber was heißt Interdisziplinarität? Wo findet man sie? Warum braucht man sie? Braucht man sie überhaupt? Und ist überall Interdisziplinarität drin, wo Interdisziplinarität draufsteht?

Interdisziplinarität als Kooperation

Der Begriff »Interdisziplinarität« ist sehr vage, weil er in verschiedenen Zusammenhängen sehr unterschiedlich definiert und gebraucht wird. Seinen Ursprung hat er in der Wissenschaft mit ihrer historisch gewachsenen Ausdifferenzierung zu zahlreichen Disziplinen. 

Die Verzweigungen der Wissenschaft in immer mehr Teilgebiete wurde unter anderem von der Säkularisierung der Hochschulen im 19. Jahrhundert vorangetrieben: traditionelle Studienpläne wurden durch nicht-klassische Sprachen, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften wie Chemie oder Physik ergänzt. Darüber hinaus führte die neue Verfügbarkeit von Technologien sowie die schnell wachsende Menge an Informationen dazu, dass sich Fachgebiete immer weiter spezialisierten.

  • 11.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Rebecca Meinke
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 26-27

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