"Musik ist Lifestyle" - Die Saxofonlegende Pee Wee Ellis

  • 24.11.2014
  • Szene
  • Ausgabe: 12/2014
  • Seite 42-44

Müde sieht er aus, wie er da auf der Terrasse des Münchner Hotels in der Sonne sitzt. Müde und nachdenklich, traurig bisweilen. Langsam drückt er die Morgenzigarette aus, schaut auf und lacht. Und wenn er lacht, dann zieht er nicht einfach die Mundwinkel nach oben, dann strahlt er übers ganze Gesicht. Wenn Pee Wee ­Ellis, lebende Saxofon­legende, über seine Musik und sein Instrument spricht, dann tut er das zwar leise, aber dann schreit aus diesem Mann geradezu die pure Begeisterung heraus.

Pee Wee Ellis’ Berühmtheit hat ihre Wurzeln in den 1960er Jahren. Von 1965 bis 1969 nämlich spielte er Saxofon in der Band von James Brown, war schließlich ­sogar ihr musikalischer Leiter. Er komponierte und arrangierte für James Brown insgesamt 26 Hits – darunter »Cold Sweat«, »The Chicken« und »Say It Loud, I’m Black and I’m Proud«. Nach der James-Brown-Phase arbeitete er als Arrangeur und mu­sikalischer Leiter unter anderem mit Esther Phillips, George Benson und Hank Crawford. Anfang der 1980er arrangierte, tourte und spielte er mit Van Morrison Platten ein. Zurzeit arbeitet er mit Ginger Baker’s Jazz Confusion, hat für Boy George und Joss Stone geschrieben und ist mit seiner eigenen Band, der Pee Wee Ellis Assembly, ­unterwegs.

Kürzlich lief der Film »Get on Up« in den US-amerikanischen Kinos, ein biografisch angehauchter Film über das Leben von James Brown (Mitproduzent ist übrigens Stones-Frontmann Mick Jagger). Selbstverständlich ist auch Pee Wee Ellis’ Rolle besetzt worden. Der Darsteller Tariq Totter soll seine Sache ganz gut gemacht haben, hat der Saxofonist sich sagen lassen. Ge­sehen hat er den Film nicht. Aber ganz ­ehrlich – er beugt sich zum Diktier­gerät ­hinüber und wird unmerklich lauter, aber bestimmter: »Es ist ermüdend und langweilig, immer wieder nach James Brown gefragt zu werden…« Kurze Pause. Er lacht schallend. Da kann man ja fast von Glück sprechen, dass die Schauspieler angehalten ­waren, nicht mit den Musikern, die sie verkörpern sollten, zu sprechen. Pee Wee Ellis findet das natürlich völlig okay. Schließlich sei der Film mehr Fiktion als Fakt. Und solle das ja auch sein. »Der Film ist Hollywood!« 

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