"Musik ist eine Lebenseinstellung" - Flötistin Annemarie Kosse im Gespräch

Annemarie Kosse aus den Niederlanden ist Diplom-Flötistin und Diplom-Musiktherapeutin. Vor allem ist sie begeisterte Musi­kerin, die immer versucht, diese Begeisterung ihren Schülern und Gesprächspartnern mitzuteilen. Musik ist nicht nur ihr ­Beruf, Musik ist ihr Leben.

Sie sind Diplom-Musiktherapeutin, haben »Creatieve Therapie Muziek« studiert – können Sie unseren Lesern kurz erläutern, was das bedeutet?

In der Musiktherapie werden musikalische Mittel innerhalb einer therapeutischen ­Behandlung im emotionalen, kognitiven, sozialen sowie körperlichen Bereich ein­gesetzt. Es geht darum, Veränderungen, Entwicklungen, Stabilisierungen oder Abnahmen in diesen Bereichen zu erzielen.

Welche Personen nehmen Musiktherapie in Anspruch? 

Menschen, die eine Musiktherapie erhalten, haben solche Probleme wie etwa ­Autismus, Depression, Ess-Störungen, Alzheimer, geistige Behinderungen oder ­Persönlichkeitsstörungen. Auch Schock­beratungen finden statt.

Wie funktioniert Musiktherapie und was bewirkt sie?

Wenn man mit traumatisierten Personen arbeitet, versucht man ihnen beizubringen, mit diesem Trauma zu leben bzw. diesem einen Platz in ihrem Leben zu geben, dass es sie eben nicht mehr so stark beeinflusst. Mit Musik kannst du dich selbst ausdrücken. Die Personen können also die Emo­tionen herauslassen. Oft ist es eine Be­freiung, diesen Gefühlen freien Lauf zu ­lassen. Personen mit Persönlichkeitsstörungen – wie etwa Narzissmus, Borderline oder histrionischer Persönlichkeitsstörung – versucht man darauf hinzuweisen, wie ihr Verhalten andere beeinflusst und sich auf ihr eigenes Leben auswirkt. Denn Personen mit diesen Störungen wissen meistens nicht, warum man auf sie in besonderer Weise reagiert. Mit aktiver Therapie, wie zum Beispiel musikalischem Rollenspiel, lässt man sie erfahren, wie es funktioniert und warum Leute wie reagieren. Wir benutzen keine Worte, um zu kommunizieren, sondern improvisieren auf unseren Instru­­menten.

  • 27.10.2014
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2014
  • Seite 12-14

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