musik fürs wohlbefinden - klostertaler-flügelhornist markus wolfahrt auf solopfaden

Er ist einer der unbestrittenen Superstars der volkstümlichen Musikszene: Markus Wolfahrt, Flügelhornist und Frontmann der »Klostertaler«, einer der kommerziell erfolgreichsten Stimmungsbands aus Österreich. Sein Gesicht ist bekannt. So bekannt, dass unser Interview in einem kleinen Eiscafé in der Fußgängerzone von Lindau am Bodensee immer wieder von Fans unterbrochen wird, die ihn durchs Schaufenster an dem kleinen Bistrotisch erspäht und erkannt haben. Ein gediegener älterer Herr im Lodenmantel mit Schweizer Dialekt beispielsweise bittet fast ehrfürchtig um ein Autogramm »für meine Frau Claudia, sie traut sich nicht rein«. Als wir das Café nach zwei Stunden entspannten Interviews verlassen, begleiten Wolfahrt »viele gute Wünsche, alles Gute« von den Nachbartischen. Auf der Straße locken blasmusikalische Klänge vors historische Lindauer Rathaus. Es ist nicht weit zum Bad in der Menge, viele Köpfe drehen sich nach Wolfahrt um. Die Trompeter der Jugendkapelle Lindau nutzen eine kurze Pause im Platzkonzert, um mit dem sofort erkannten »Klostertaler« ein paar Worte zu wechseln. Fankontaktpflege.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das ZDF ist quotenmäßig also immer auf der sicheren Seite, wenn er zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr seine Zuschauer mit einem Klostertaler-Special »Ab in den Urlaub« schickt – wie etwa am 29. Januar 2004. Welcher Band, welchem Musiker sonst wird derlei Aufmerksamkeit gewidmet anlässlich der Veröffentlichung einer neuen CD? Auf den ersten Blick läuft alles in geordnet kommerziell-volkstümlichen Bahnen. Einen Blick hinter die Kulissen, auf den Musiker und Menschen Markus Wolfahrt zu werfen, lohnt indes, weil sowohl bei ihm selbst als auch bei seiner Band – die er schon 1976 gegründet hat und die zunächst als reine Bläsertruppe ohne Gesang den »großen Vorbildern, den Original Oberkrainern«, nacheiferte – eine Rückbesinnung und Neuausrichtung statt- gefunden hat. Die Band ist ein Stück weit abgerückt von »Happy-Power-Musik und Party-Sound«, und Wolfahrt beschreitet Solopfade.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Tobias Schumacher
  • Ausgabe: 2/2004
  • Seite 10-11

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