Musik - die universale Sprache?

Wenn wir von Musik als der universalen Sprache sprechen, bekommen wir, meine verehrten Leserinnen und Leser, sogleich ein nur schwer lösbares Problem, denn wie könnte man bei der Vielfalt musikalischer Formen und Gattungen in aller Welt von einer Sprache, einer Allgemeinverständlichkeit und Universalität sprechen?

Der Begriff »Musik«

Vor der Klärung dieser Universalität sollte man zunächst den Begriff »Musik« zu erklären versuchen. Schlagen wir deshalb den Duden auf, um zu erfahren, welche Deutung dem unerfahrenen Leser in diesem Standardwerk der deutschen Sprache angeboten wird.

Dort heißt es: Musik sei die Kunst, Töne in bestimmter (geschichtlich bedingter) Gesetzmäßigkeit hinsichtlich Rhythmus, Melodie und Harmonie zu einer Gruppe von Klängen und zu einer stilistisch eigenständigen Komposition zu ordnen. Der Begriff des geschichtlich Bedingten weist bereits auf ungleiche Entwicklungen hin.

Bei Wikipedia liest sich die Definition von Musik schon etwas komplexer. Sie sei eine Kunstgattung, deren Werke aus organisierten Schallereignissen bestehen. Zu ihrer Erzeugung wird akustisches Material, wie Töne und Geräusche, innerhalb des für den Menschen hörbaren Bereichs geordnet. Aus dem Vorrat eines Tonsystems werden Skalen gebildet. Deren Töne können in unterschiedlicher Lautstärke bzw. Intensität, Klangfarbe, Tonhöhe und Tondauer erscheinen.

Die Melodie entsteht aus der Abfolge der Töne in einem zeitlich festgelegten Rahmen (Rhythmus). Aus dem Zusammenklang mehrerer Töne von jeweils anderer Tonhöhe erwächst Mehrstimmigkeit, aus den Beziehungen der Töne untereinander entsteht Harmonik. Die begriffliche Erfassung, systematische Darstellung der Zusammenhänge und deren Deutung leistet die Musiktheorie.

Diese zweite Erklärung ist schon dezidierter. Sie weist vor allem darauf hin, dass durch die vertikale und horizontale Aneinanderreihung von Tönen und Geräuschen Kunst entstehen kann. Diese Kunst wird auch von etymologischen Besonderheiten (Etymologie = Wissenschaft von der Herkunft und Geschichte der Wörter und ihrer Bedeutungen) beeinflusst.

Beide Beschreibungen beziehen sich allerdings mehr auf die Grammatik der Musiksprache und nicht so sehr auf Inhaltliches. Wollen wir das zu erkennen versuchen, müssen wir überhaupt erst einmal akzeptieren, dass Musik Gedanken und Gefühle transportieren kann oder sogar konkrete Fakten zu vermitteln in der Lage ist.

Semantik und Idiome

Wenn wir also von Musik als einer universellen Sprache sprechen, müssen wir vor allem auch die sprachbestimmende Semantik (Bedeutungslehre von Worten und Phrasen) und die Idiome (eigentümliche Sprechweise einer regionalen oder sozialen Gruppe) in unsere Betrachtung einbeziehen.

Dabei begeben wir uns bereits wieder auf unsicheres Terrain, da Musik zwar eine allgemein-menschliche Kommunikationsform genannt werden kann, jedoch in inhaltlicher Hinsicht weitgehend abstrakt bleibt. Über Inhaltlichkeit in der Musik lässt sich allerdings trefflich streiten, da die Meinungen der Komponisten, Musikologen und praktischen Musiker über vermittelbare Inhalte und die Aussagekraft von Tönen und Musik stark divergieren.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Musik - die universale Sprache?":

  • 21.11.2016
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 12/2016
  • Seite 20-25

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