Musik als Männerdomäne? Die Rolle der Frauen in unserer Musikkultur

  • 26.04.2018
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 5/2018
  • Seite 30-33

Bei den Recherchen zu der im Thema angesprochenen Problematik wurde mir schnell deutlich, dass dieser Aufsatz eigentlich in erster Linie ein politischer werden würde, der deshalb auch nur bruchstückhaft bleiben kann.

Um unserem Thema einigermaßen gerecht zu werden, reicht es allerdings auch nicht aus, schiere feministische Positionen einzunehmen und darüber zu klagen, dass Frauen auch auf dem Gebiet der Kunst über Generationen hinweg diskriminiert wurden und auch heute noch keine volle Gleichberechtigung zugestanden bekämen. Kunst und Kultur sind immer ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen, die vom Einzelnen nicht einfach infrage gestellt werden können, ohne sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Unserem heutigen Frauenbild wird eine durch die Arbeitswelt geprägte, nahezu »vermännlichte« Rolle zugewiesen, die durch Absolutheit in der Bewertung des reinen Erwerbslebens und der Forderung nach gleichen Berufschancen beider Geschlechter alles und jedes Überkommene zu hinterfragen trachtet.

Ich kannte einmal eine Altistin, die im Zuge der beruflichen Gleichberechtigung als junges Mädchen in Ostberlin gezwungen wurde, Lokomotivschlosser (nicht Schlosserin) zu werden. Ihre wunderbaren sängerischen Anlagen, die sie später bis an die Staatsoper in Berlin führten, wurden von den Berufslenkern mit einer Handbewegung weggewischt. Man brauchte gestandene »Weibsbilder«, die erst zu gleichwertigen Menschen wurden, wenn sie mit riesigen Schraubenschlüsseln in der Hand den Männern Paroli bieten konnten.

Rollenverteilung in der Kunst

In diesem Artikel möchte ich nun nicht nur über »das Männliche oder das Weibliche« in der Musik spekulieren. Ich glaube, dass man dabei schnell in ein ideologisches Fantasieren verfällt und ähnlich wie beim »Gendern« das Perpetuum mobile wissenschaftlich zu begründen versucht. Die gesellschaftlichen Bedingungen der verschiedenen Zeitepochen bieten genügend Stoff, um über Axiome der Rollenverteilung in der Kunst nachzudenken.

Die musikalische Praxis jeder Gesellschaft steht in enger Verbindung mit den allgemeinen Grundlagen des Zusammenlebens der Menschen. Diese bestimmen die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft, geben einen Verhaltenskodex vor und regeln, wer wozu berechtigt ist und was im Sinne der innergesellschaftlichen Harmonie Sitte ist.

Ägypten als Vorbild?

Im alten Ägypten war die Frau hochgeachtet und in der Gesellschaft gleichberechtigt. In alten Schriften und Abbildungen sieht man immer wieder die Frau auf der gleichen Stufe neben dem Mann dargestellt. Sie ist die Partnerin des Mannes, die Mutter und Bewahrerin des Lebens und im Hause verantwortlich für die komplexe Lebensgestaltung einschließlich der wirtschaftlichen Sorge um den Alltag.

Sie wird als Göttin, Priesterin, Königin, Gattin und Mutter dargestellt und erfährt eine solche gesellschaftliche Achtung, dass man lange Zeit glaubte, in Ägypten habe eine Art Matriarchat geherrscht. Auf Abbildungen sieht man oft, dass die Frau den Arm um den Mann legt, ihn nach vorn schiebt und zur Aktion drängt. Muttersein steht in besonderem Rang und bei einer Schwangerschaft galt die Frau als geheiligt.

Musikerinnen wurden im alten Ägypten hoch geschätzt. Man sieht Frauen mit Flöten, Trompeten, Harfen oder Lauten sowie Sängerinnen und Tänzerinnen. Weibliche Musiker gestalteten Feste und Kultveranstaltungen aus. Sie trugen dabei Perücken und durchsichtige Gewänder. Ihre Darstellung wirkt deutlich emotionaler und ausdrucksvoller als Abbildungen von Männern.

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