Musik als Brücke - Das Polizeiorchester Niedersachsen rückt die Präventionsarbeit in den Vordergrund

Als »Experten für den guten Ton« sind die Musiker des Polizei­orchesters Niedersachsen mehr als eine gewöhnliche Profi­truppe. Im Namen der Gesetzeshüter versuchen sie die Menschen in Norddeutschland davon zu überzeugen, dass guter Klang dumme Gedanken gar nicht erst aufkommen lässt.

Als Thomas Boger im Februar 2009 die Leitung des Polizeiorchesters Niedersachsen übernahm, war das uniformierte Musizieren in Hannover eine reine Männerdomäne. »Das hat mich damals auch sehr überrascht«, erklärt der studierte Trompeter. Mit ihm als Dezernatsleiter kamen in­zwischen drei festangestellte Frauen – ­Tendenz steigend, was Boger sehr freut. »Frauen­ verbessern definitiv das Klima.«

Seit der Gründung der »Kapelle der Königlich-preußischen Schutzmannschaft Hannover« im Jahr 1909 hat sich neben der Orchesterbesetzung und seiner Bezeichnung einiges verändert. Waren es ursprünglich Soldaten, die nach ihrer Übernahme in die Polizei das kollegiale Hobbymusizieren begannen, und später Polizisten, die neben ihrem Dienst auch eine musikalische Tätigkeit ausübten, professionalisierte sich das Orchester in den darauffolgenden 100 Jahren. Seine Mitglieder wurden zu Berufs­musikern. Während des Ersten Weltkriegs löste sich die Truppe vorübergehend auf, die Musikeranzahl wuchs danach von 20 auf das Doppelte an. Heute sind alle 41 Mitglieder Vollzeit im Orchester beschäftigt. Bei knapp einem Drittel der Musiker handelt es sich um Beamte, die nach dem Eintritt in die Polizei eine musikalische Aus­bildung in Hannover oder Braunschweig ­erhielten und zum Orchester wechselten. »Denen war relativ schnell klar, dass sie zur Musik gehen«, sagt Boger. Die anderen sind angestellt und gelangten nach ihrem Musikstudium regulär über Probespiele in das Orchester. »Natürlich werden die ­neuen Musiker vor Eintritt in den Landesdienst gut durchleuchtet, ein einwand­freies Führungszeugnis reicht da nicht. Man sollte also eine weiße Weste haben. Und man muss sehr gut sein«, erklärt Boger. Für die Polizei zu spielen heißt nämlich auch, sie angemessen zu repräsentieren. 

  • 20.08.2014
  • Szene
  • Corinna Lüke/Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2014
  • Seite 52-53

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