mundstücke bei blechbläsern - immer auf der suche nach dem idealen ton

Louis Armstrong soll auf die Frage nach dem von ihm verwendeten Mundstück erstaunt geantwortet haben: »Was meinen Sie mit ›welches‹? Das natürlich, das dran war, als ich die Trompete kaufte.« Und Saxofonist Joe Henderson soll sich gerühmt haben, aus Gründen der Eigenmotivation stets das »schlechteste« zu verwenden. Braucht also einer, der sein Instrument beherrscht, überhaupt immer das beste, individuell passendste Mundstück? Die Diskussion um Für und Wider ist seit Jahrzehnten kontrovers.

»Wer sein Instrument nur mäßig beherrscht, hofft mittels besonders ausgesuchter Equipments über mangelndes Können hinwegzutäuschen.« So denken nicht wenige Blechbläser, für die die Klangqualität fast ausschließlich beim Instrumentalisten liegt, nicht in der technischen Ausstattung. Es ist ja auch was dran: Wer das Autofahren mit einem Fiat Punto nicht beherrscht, wird dies auch mit einem Ferrari nicht ändern. Dennoch zeigt die (zugegeben: vielen Bläsern schon leidige) Diskussion um Mundstücke, dass der vielen Musikern eigene Perfektionsanspruch nun mal unterschiedlichen Anschauungs- und Herangehensweisen obliegt. Hegt der eine die Hoffnung, dass das erfolgreiche Auffinden des »einen« und idealen, »ganz besonderen« Mundstückes das Thema Klang, Technik und Tonumfang für immer erledigt und zur persönlichen Vollendung des Tons maßgeblich beiträgt, quittiert der Purist dies mit einem mitleidigen Lächeln: Der Ton entsteht im Körper und das Mundstück ist lediglich ein Hilfsmittel unter vielen, wird hier argumentiert. Zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Argumentationslinien, die unvereinbar scheinen – oder?

 

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Richard Goerlich, Re
  • Ausgabe: 10/2003
  • Seite 44-45

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