Mütters Vorstellungen - Posaunenplaudereien und Blechblasen vum Bertl Mütter (4)

 »...da kommt auf einmal ein Mann daher, mit einem Hut, und er hat so eine lange schwarze Schachtel auf dem Buckel. Die ganze Zeit tut er so komisch mit den Lippen, wie ein Moped. Er geht auf und ab, dazu fuchtelt er wild herum mit seiner Hand, hin und her. Vielleicht klingt sein Lippengebrumm auch wie eine Feuerwehrsirene oder eine fette Fleischfliege, ich weiß nicht. Endlich stellt er alles ab, zieht seinen Mantel aus – und zieht ihn der Schachtel an, auch den Hut setzt er ihr auf. Wieder rennt er auf und ab, sägt hin und her und hummelbrummt mit den Lippen. Jetzt zieht er alles wieder an, legt den Koffer um, öffnet langsam den Reißverschluss – das klingt fast so wie sein Lippensurren – und klappt sie behutsam auf. Er nimmt ein Blechding heraus und stellt es auf seinen großen Trichter. Dann ein dünnes Rohr, an dem er so herumzieht, hin und her, und es wird länger und kürzer, ganz leicht geht das. Jetzt schraubt er beide Teile zusammen und schaut recht glücklich aus damit. Ein kleiner Trichter fehlt noch, den steckt er oben ins Rohr, fertig. Er reckt das Instrument hoch und will, dass wir dafür applaudieren, obwohl er noch überhaupt nicht gespielt hat

  • 21.09.2011
  • Musikgeschichten
  • Bertl Mütter
  • Ausgabe: 4/2009
  • Seite 38

« zurück