Mütters Vorstellungen - Posaunenplaudereien und Blechblasen vum Bertl Mütter (23)

  • 21.09.2011
  • Musikgeschichten
  • Bertl Mütter
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 49

Fangen wir ganz klein an und ganz oben. Wie das neue Jahr, das so hell und weiß und unbekannt, aber doch irgendwie glöckerlhell vor uns liegt, voller Verheißungen und noch völlig hohl – wobei es schwer vorstellbar ist, sprachlich, etwas schlechterdings als völlig leer zu bezeichnen (und wir, in einem Aufwaschen, dieses schöne altmodische Wörtchen schlechterdings verwendet hätten, auf dass künftige Wortaussterbeforscher es zumindest anno 2011 einmal – nein: zweimal! – dokumentieren können).Die Flöte also. Flauto traverso, dieses silbrige Installationsrohr mit der gefinkelten Feinmechanik, und früher sind sie bei den Philharmonikern auf den Flughafen hinausgefahren, die spezialisierten Zollfahnder, wenn sie von Japan gekommen sind, da waren die frischen goldenen mit im Handgepäck, olala! Weil Anfang der Achtziger war es noch nicht so, dass die Flötenlehrer sich durch die Farbe des Instruments von ihren Flötenkindern unterschieden haben, das gab es nur im fernen Wien und, langsam (je nachdem, wie es den Philharmonikern bei der Einreise ergangen ist, so ein kleines Goldding passt ja samt Etui ganz passabel in einen Tubatrichter, mehrere sogar, scheppert es nicht so), langsam auch in der Flötenprovinz, auf den Landeskonservatorien, tauchten spintisierende Wundersolisten und Gallneukirchner Galways mit dezentem Understatement auf, immer bereit, auf den staunbereiten Zuruf ein lässiges Fünfhunderttausend aufwärts, aber ich habs billiger ’kriegt, Sonderpreis für Solisten, darf ich dir aber nicht sagen, wieviel! zu raunen. (Hier rechne ich noch in Schilling.) Als Spieler des allerbilligsten Instruments, das man sich vorstellen kann, kann ich mir ja gar nicht vorstellen, was da an so einem – nicht einmal massiven – Edelmetallteil derart teuer sein kann. Vielleicht ists ja die Schleppersparnis, die so teuer voraus erkauft werden muss: weil auch wenn die Flöte nicht steuerschonend intubiert einreist, ist der Transportaufwand des Instruments bei weitem der bescheidenste des gesamten Tierreichs – sehen wir von der Stimme ab.

clarino[at]muetter.at

 

 

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