Mütters Vorstellungen - Posaunenplaudereien und Blechblasen vum Bertl Mütter (22)

  • 21.09.2011
  • Musikgeschichten
  • Bertl Mütter
  • Ausgabe: 12/2010
  • Seite 48

Lebenslanges Lernen! Was für ein Ideal! Das ist es doch, dem wir uns verschrieben haben als am aktiv Musikmachen Interessierte. Hören, was es bisher gegeben hat und – nur im Spielen selbst (oder als aktiv Zuhörende) – beständig daraus an den Tag geholt wird. Und natürlich das Unerhört-Neue erfinden, die weißen Flecken auf der Landkarte der Poesie erforschen, sie belegen und benennen (Ernst Jandl in einer Publikumssendung des Fernsehens, ca. Mitte der Siebziger Jahre – gesehen in Die Ernst Jandl Show, der äußerst empfehlenswerten Ausstellung des Wien Museums; Gelegenheit, in diese Wunderwelt einzutauchen, gibt’s bis 13. Februar 2011).Auch die Literatur kann nur im kontinuierlichen Erleben bzw. Erlesen in uns lebendig werden (wo sonst?). Selbst Bildnerisches, Architektur, Landschaft bedarf der immerwährenden Erschaffung durch die wahrnehmende Person: Es gibt den Turmbau zu Babel, Las Meninas und selbst Vermeers Malkunst (dieses wunderliche Bild mit der Posaunistin im Bildhintergrund) nur, wenn ich sie betrachte. Da reicht selbst die millionenfache Abbildung und Verfügbarmachung in Katalogen und selbst im Internet nicht aus: Alle Künste, die nie vom Leben zu trennen sind (und damit überhaupt unser gesamtes Sein!), bedürfen der unbedingten Präsenz in der Aktivität.

clarino[at]muetter.at

 

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