Mütters Vorstellungen - Posaunenplaudereien und Blechblasen vum Bertl Mütter (17)

Zahnweh. Ich wollte diesen Text ja hinausschieben, aber es geht nimmer. Seit November beschäftigt es mich (was für ein freundlicher Ausdruck), in Wellen. Seit ich mit dem Blechmusikmachen angefangen habe, wurde mir die Wichtigkeit eines intakten Gebisses fürs Spielen auf verschiedenste Art und Weise anschaulich gemacht. Da hat es den bald nach meinem Eintritt in die Stadtkapelle auf die Tschinellen wechseln müssenden dritten Posaunisten (nicht zu verwechseln mit Der Dritte Polizist von Flann O’Brien; was für ein herrlich absurdes Buch mit den absonderlichsten Theorien über Atomfluss und ähnliche curiose Phänomene!) gegeben, der eben ein neues Gebiss, allerdings ohne jeden Ansatz erhalten hatte; immerhin, er vermochte die Posaune bereits im Pianissimo knattern zu lassen – was ihm dann allerdings auch an den Piatti gelang (es musste also doch vom Typ abhängen, und Scharl*, so wurde er genannt, war dezidiert ein Knatterer, auch auf der Bratsche im Sinfonieorchester, hat man mir erzählt). Neben mir, am Ersten Tenor, hat sich der arme Luis* mit seinem nicht gerade Tonstabilität und strahlende Höhe gewährenden Vorbiss am Mundstück festgesaugt. Immerhin lernte ich so instinktiv, dass es so eher nicht geht.

  • 21.09.2011
  • Musikgeschichten
  • Bertl Mütter
  • Ausgabe: 6/2010
  • Seite 44

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