Mozart und die Klarinette - Der Komponist verschafft dem Instrument neuen Stellenwert

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Wolfgang G.P. Heinsc
  • Ausgabe: 5/2011
  • Seite 32-35

»... ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten! – sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effekt macht«, seufzte Mozart in einem Brief an den Vater vom 4. November 1777. Er war mit der Mutter auf der Reise (1777/1778) über München nach Mannheim und von hier aus weiter nach Paris. Und gerade hier in Mannheim dürfte er reiche Gelegenheit gefunden haben, die Verwendungsmöglichkeiten der Klarinette ausführlich zu studieren.Spätestens für 1758 sind für die berühmte Mannheimer Hofkapelle zwei Klarinettisten verzeichnet und von Johann Stamitz selbst stammt ein ihm zugeschriebenes Klarinettenkonzert. Die Eindrücke, die Mozart gesammelt und nach Paris mitgenommen hat, dürften ziemlich breit gewesen sein.Hier in Paris schreibt er seine erste Sinfonie mit Klarinetten, D-Dur KV 297, die dem Urteil Alfred Einsteins folgend in ihrer ganzen kompositorischen Anlage »mannheim-pariserisch« anmutet. Dass er die Klarinetten hier noch zurückhaltend anwendet, mag vielleicht in der Suche »nach dem rechten Maß« für den Einsatz im Orchester begründet sein, denn in der von Joseph Le Gros (1739 bis 1793) für seine Pariser »Concerts spirituels« in Auftrag gegebene »Sinfonia concertante« für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester KV 297B (KV Anhang 9) sind die Instrumente durchaus solistisch behandelt. Auch wenn der Umfang des Klarinettenparts in der Höhe nur bis zum d3 reicht, das tiefe Register fast ausschließlich für Akkordfiguren genutzt wird und die ausdrucksstarke Gegenüberstellung der verschiedenen Register noch gar nicht stattfindet.

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