Mit Kind und Kegel auf Konzerttour: Geht das? Das geht!

Ein bisschen müde sieht sie schon aus, die Musikerin Julie Campiche, an diesem sonnigen Nachmittag in Zürich. Hellwach dagegen ist ihre zehn Monate alte Tochter, die sie zum Interview mitgebracht hat. »Das ist perfekt«, denkt man sich – denn darum geht’s ja: Mit Kind und Kegel auf Konzerttour. Das Interview ist, nun ja, lebhaft.

Im März fand in Zürich die dritte »SOFIA«-Konferenz statt. »SOFIA« steht für »Support of Female Improvising Artists«, eine Initiative, die die Saxofonistin Nicole Johänntgen vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. Mit dieser Initiative möchte die Musikerin Unterstützung im Musikbusiness geben. Hier finden Workshops statt zu den Themen Musikbusiness und Selbstmanagement.

Und Nicole Johänntgen macht das nicht, weil die Männerwelt da draußen so böse ist und nicht, weil Frauen sich ungerecht behandelt fühlen. Letztlich kann man bei dieser Konferenz auch als Mann eine Menge lernen, denn die Themen sind in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr geschlechterspezifisch. Eigentlich.

Julie Campiche: Musikerin und Mutter

Ein Thema der Konferenz lautet »Mit Kind und Kegel auf Konzerttour«. Welcher männliche Musiker hat sich schon mal gedacht, ob das eventuell eine Möglichkeit sein könnte? Frauen dürften da schon eher betroffen sein. Warum eigentlich? Fragt sich Julie Campiche auch. Die Harfenistin referiert nun im Rahmen von SOFIA 2018 über dieses Thema. Sie plaudert sozusagen aus dem Nähkästchen und aus eigener Erfahrung.

Julie Campiche hat nie daran gedacht, sich entscheiden zu müssen, ob sie Musikerin ist oder Mutter. Beides ist möglich. »Ich habe nie daran gedacht, aufzuhören. Ich glaube, ich wäre dann auch eine schlechte Mutter gewesen – weil ich frustriert gewesen wäre.«

Das bedeute nicht, dass sie ohne Musik unglücklich gewesen wäre, aber allein Mutter zu sein, habe sie sich nicht vorstellen können. »Aber das ist auch eine ganz persönliche Geschichte«, erklärt sie. Sie habe viele Freunde, die »nur« Mutter seien. »Auch die sind zufrieden.«

Leicht sei es indes nicht immer, beide »Rollen« unter einen Hut zu bekommen. »Denn es ist nicht ›normal‹.« Finanzielle Unterstützung etwa gebe es nicht, etwa in Form einer Gage für den Babysitter. Julie Campiche aber hat Glück in ihrer Situation: »Meine Mutter hilft mir sehr und ist auch meist mit auf Tournee.« Wenn das nicht so wäre, würde das eben auch mehr finanziellen Aufwand bedeuten.

  • 26.04.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2018
  • Seite 40-41

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