Mit dem Publikum spielen - Carion bringt frischen Wind in seine Konzerte

  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Antje Rößler
  • Ausgabe: 2/2011
  • Seite 42-43

Der Name beruhe auf einem Missverständnis, erzählt David M.A.P. Palmquist, Hornist des dänisch-lettischen Bläserquintetts Carion. »Das griechische Wort ›karyon‹ heißt ›Kern‹ – und dahin wollen wir vordringen. Bei unserem ersten Gig haben wir das falsch buchstabiert. Und nun hängen wir daran fest.« Jedenfalls habe die Bezeichnung nichts mit dem deutschen Astronomen Johann Carion zu tun.Ungewöhnlich ist es, dass die Musiker auf den Zusatz »Quintett« im Namen verzichten. »Wir wollen die Begrenzungen des Bläserquintetts hinter uns lassen«, meint der Fagottist Niels Anders Vedsten Larsen. »Das traditionelle Repertoire ist nicht sehr groß. Weder Mozart noch Beethoven oder Brahms haben Bläserquintette geschrieben.« Das Ensemble erweitert sein Repertoire daher durch Bearbeitungen von Mozart bis Bartók. Etliche Arrangements stammen aus der Feder des Carion-Hornisten Palmquist. Der gemütliche Bartträger sorgt zudem durch seine launigen, hierzulande in koboldhaftem Deutsch vorgetragenen Ansagen für Heiterkeit beim Konzertpublikum. Die eigenen Arrangements pflegt er mit dem Running Gag »Ich wollte das auch komponieren« anzukündigen.

Im Herbst traten Carion beim Usedomer Musikfestival auf, wo hochkarätige Kammermusik seit den Anfängen in den frühen Neunzigern im Mittelpunkt steht. Jedes Jahr bildet ein anderes Land des Ostseeraums den Schwerpunkt; 2010 war Lettland an der Reihe. Und da der Oboist und der Klarinettist von Carion aus dem baltischen Staat stammen, war das Ensemble in geografischer Hinsicht für die Teilnahme qualifiziert. Auf Usedom spielten Carion in der kleinen Dorfkirche von Liepe, mitten im traumhaft schönen Hinterland der Ostseeinsel. Noten und Notenständer waren – wie bei diesem Ensemble üblich – nicht zu sehen. Dabei ist das Auswendigspielen keinesfalls Selbstzweck. »Manche Musiker spielen ›inwendig‹. Ohne Notenständer, aber so, dass sie die Noten vor dem inneren Auge ablesen«, sagt der Oboist Egils Upatnieks, »das wollen wir vermeiden.« Auf die Kommunikation komme es an, miteinander und mit dem Publikum, ergänzt die Flötistin Hélène Navasse. »Wir wollen nicht für das Publikum, sondern mit ihm spielen. Am Anfang war das gar nicht so einfach. Wir Holzbläser sind das Auswendigspielen halt nicht so gewohnt wie etwa die Streicher.«

 

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