Mingus wäre stolz - Das Saxofonquartett Spittin´ Horns

Vielstimmig wie Dixieland, ekstatisch wie Gospel, geerdet wie Blues: Die Musik von Charles Mingus (1922 bis 1979) kann niemanden kalt lassen. Nun hat das Schweizer Saxofonquartett Spittin’ Horns dem großen Jazzmusiker seine Debüt-CD gewidmet: »Moanin’ – Mingus Reloaded« (Unit Records).

So komplex und raffiniert seine Kompositionen zuweilen waren – Charles Mingus vergaß nie den Groove, den Swing, die emotionale Power. Der Jazz-Historiker Martin Kunzler schreibt: »In seinem auf über 100 Alben und 300 Partituren dokumentierten Werk verschmolz der große Neuerer und Vollender Charles Mingus Elemente und originale Techniken der schwarzen Musik (...) zu einer völlig eigenen Tonsprache.« Zwei Bläser in der Band – das war beim Jazzbassisten Mingus gewöhnlich das Minimum. Häufiger verwendete er fünf oder sechs Bläser, um die Vielstimmigkeit und Energie zu erreichen, die ihm vorschwebten. Der Jazzkritiker Siegfried Schmidt-Joos schrieb 1970 über Mingus: »Kein Musiker hat so intensiv wie er und gleichzeitig so virtuos aus dem kollektiven Unterbewusstsein der Jazzhistorie (...) geschöpft.«

Mingus im Herzen

Auch die Saxofonistin Barbara Wehrli Wutzl ist ein großer Mingus-Fan. »Der Spirit seiner Musik trifft mich mitten im Herzen«, sagt sie. Mit zwölf Jahren hat die Schweizerin begonnen, Saxofon zu spielen – und schon ihr erster Saxofonlehrer brachte ihr damals die Musik von Charles Mingus nahe. »Mingus Ah Um« und »Blues & Roots« – beide aus dem Jahr 1959 und mit fünf bzw. sechs Bläsern eingespielt – waren die ersten Mingus-Alben, die sie kennenlernte, und sind ihr bis heute die liebsten geblieben. Vertiefen konnte Wehrli Wutzl ihr Interesse an Mingus’ Musik während eines siebenjährigen USA-Aufenthalts: zunächst als Studentin am Berklee College in Boston, dann auch in New York als Schülerin des Saxofonisten Steve Slagle, der noch heute Mitglied der Mingus Big Band ist – eines Ensembles, das Mingus’ Musik mit Nachdruck am Leben erhält. »Steve lud mich jeden Donnerstagabend zu den Konzerten ein. Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, als ich ins Fez ging, im Keller des Time Cafés, um die Mingus Big Band zu hören.« Von den originalen Mingus-Saxofonisten wurde die Schweizerin ebenfalls nachhaltig geprägt: Sie nennt Eric Dolphy, Rahsaan Roland Kirk, Charlie Mariano, ­Jackie McLean. »Ihre Aufnahmen unter eigenem Namen und ihr Saxofonspiel habe ich genauso ausführlich studiert und transkribiert wie die Musik von Charles Mingus. Sie alle sind große Vorbilder und Inspirationen für mich.«

  • 25.02.2015
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 3/2015
  • Seite 48-50

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