Mikrofonierung der Klarinette

Foto: Axel Müller

Für Saxofon, Trompete und Posaune gibt es inzwischen viele spezielle Clip- Mikrofone, die sich für die Verstärkung im Live-Kontext eignen. Auch für das Recording im Studio findet man viele Tests und Tutorials, die hilfreiche Tipps zur Mikrofonwahl und deren Positionierung liefern.

Das Thema »Mikrofonierung der Klarinette« wird allerdings immer noch etwas stiefmütterlich behandelt. Grund genug, mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Für mich war die Klarinette noch vor dem Saxofon mein Einstiegsinstrument. In diversen Blasorchestern und Bigbands stellte sich allerdings erstmal nicht die Frage nach der richtigen Mikrofonierung.

Inzwischen setze ich die Klarinette jedoch regelmäßig im Studio wie auch live hauptsächlich im Rahmen von Popmusik-Produktionen ein. Als Multiinstrumentalist habe ich weder den perfekten klassischen Klarinettenton, noch habe ich alle Mikros auf dem Markt an der Klarinette getestet, aber ich möchte mit euch hier meine Live- und Studioerfahrung zu diesem Thema teilen.

Der Schall verlässt die Klarinette nicht nur durch den Schallbecher

Erst einmal muss man sich klarmachen, dass der Schall die Klarinette nicht nur durch den Schallbecher verlässt, sondern je nach gegriffenem Ton auch quasi »auf halbem Wege« im Bereich der Klappen der linken und rechten Hand – ähnlich wie auch beim Saxofon. Der Sound aus dem Schallbecher klingt in meinen Ohren immer eher nasal und obertonreich und beinhaltet viele Luftgeräusche, wohingegen der Sound aus den Klappen eher warm, gedeckt und indirekt klingt.

Beide Quellen klingen also vollkommen unterschiedlich. Als Zuhörer steht oder sitzt man meist vor oder neben der Klarinette, und unser Ohr vereint diese beiden Klangquellen (Klappen und Schallbecher) unbemerkt zu einem ausgewogenen Sound. Niemand kommt auf die Idee, sein Ohr unten an den Schallbecher zu halten oder nah an den Händen des Spielers zu lauschen.

Man "fängt" sich gerne den Leadtrompeter ein

Es erscheint daher logisch, ein Mikrofon mit etwas Abstand (1 bis 2 Meter) auf Ohrhöhe des Zuhörers zu positionieren. Dies wird auch im Studio gerne so gemacht. Allerdings setzt diese Methode voraus, dass keine anderen lauten Klangquellen (Instrumente) im selben Raum als Übersprechung mit aufgenommen werden, denn bei größerer Entfernung des Mikrofons muss man ja auch dessen Verstärkung (Gain) anheben und »fängt« sich daher gerne den hochmotivierten Leadtrompeter von hinten mit ein.

Dies kann man auch nur bedingt mit der Wahl der Richtcharakteristik des Mikrofons (Kugel, Acht, Niere, Hyperniere, Superniere) oder Trennwänden beeinflussen. Die Klarinette ist eben ein relativ leises Instrument. Hinzu kommt, dass bei dieser Methode auch der Klang des Raums stärker hörbar ist als bei der Abnahme aus geringerer Entfernung.

  • 02.07.2019
  • Praxis
  • Axel Müller
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 17-19

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