Michał Tomaszewski und die »Banda Internationale«

Foto: Moritz Schlieb

Im vergangenen Jahr erschien beim Münchner Label Trikont ein Album der »Banda Internationale« – vormals »Banda Comunale«. »Kimlik« heißt der Tonträger. Das Wort »Kimlik« ist türkisch und jeder, der über die Türkei geflohen ist, kennt das Wort. Es heißt so viel wie Identität und ist der türkische Ausweis, den nicht je­der Flüchtling bekommt. 

Die »Banda Internationale« macht »Neue Säch­sische Volksmusik«. Sie will Ressentiments abbauen und zur Verständigung zwischen neuen und alten Sachsen, Deutschen und Europäern bei­tragen. Klaus Härtel sprach mit dem Klarinettisten Michał Tomaszewski über sein Motivation, Pegida und die Frage, ob Musik die Welt retten kann. 

Aus welchen Beweggründen hat sich die Banda Comunale seinerzeit eigentlich zusammengefunden?

Die Band hat sich 2001 in der Dresdner Neustadt aus einem Freundeskreis von Profi­musikern und Amateuren gegründet, der vorrangig den am 13. Februar in Dresden immer größer werdenden Neonazi-De­mon­strationen musikalisch etwas ent­ge­gen­­setzen wollte. Das ist der Jahrestag der Bombardierung Dresdens, der über Jahre von Rechtsextremen vereinnahmt wurde.

Und wie hat sich die Motivation seitdem geändert?

Wir haben jahrelang eigentlich wenig politische Agitation außer an dem besagten 13. Februar betrieben. Neben Konzerten für gemeinnützige Vereine, Schulen, Gefängnisse oder Initiativen gegen Rechts haben wir vor allem Straßenmusik gemacht oder sind auf Hochzeiten und anderen ­Feiern aufgetreten. Das änderte sich mit dem Auftauchen von Pegida. 

Seit Ende 2014 haben wir zahlreiche Gegen­demons­trationen begleitet oder sie selbst angemeldet und gestaltet. Der »Dresdner Neujahrsputz« war so eine: Wir haben im Ja­nuar 2015 Menschen eingeladen, zur Demo mit Besen und Warnweste zu erscheinen, um der zahlenmäßig weit überlegenen Pegida hinterher zu kehren. Tausende kamen und es entstanden Bilder, die wohl zu den lustigsten und absurdesten ge­hören.

Mit der großen Zahl an Geflüchteten in Dresden im Sommer 2015 und ins­beson­dere mit der »Belagerung« des Hotel Leonardo, einer Erstaufnahmeeinrichtung in Freital, durch Neonazis (hier haben wir zwischen Geflüchteten, Polizei, Unterstützern und Nazis ein Willkommenskonzert ge­geben), änderte sich wiederum die Motivation. Wir hatten gemerkt, dass Argumente auf der Straße wenig nutzen und praktisches Handeln notwendig ist. Neben zahlreichen Konzerten in Erstaufnahmeeinrichtungen, Turnhallen usw. beschlossen wir, ein Projekt zu starten: Wir suchten unter den Geflüchteten nach Musikern. 

Musik ist nicht selten ein Grund zu fliehen, weil ihre Ausübung zum Beispiel von islamistischen Extremisten schlicht verboten ist. Wir fanden innerhalb kurzer Zeit fast zehn neue Kollegen aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und Palästina, mit denen wir wöchentlich probten.

Das Schwerpunktthema »Musik und Politik« besteht aus vier Artikeln mit insgesamt 11 Seiten: 

  • 20.12.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 34-35

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