Mentaltraining: Mona Köppen im Gespräch

Mona Köppen (Foto: Pascal Kowalski)

Fast 5 Millionen Ergebnisse erhält man, wenn man in Suchmaschinen »Mentaltraining« eintippt. Eine stattliche Zahl. »Mentaltraining für Musiker« reduziert die Ergebnisse auf nur noch ein Prozent davon, nämlich 47300. Ein Beweis? Zumindest ist es ein Signal, dass Mentaltraining in der Musik immer noch nicht angekommen ist. 

Dabei ist die Musik durchaus ein Bereich, in dem es nicht schaden kann, kognitive Fähigkeiten, Belastbarkeit, Selbstbewusstsein, mentale Stärke oder das Wohlbefinden zu steigern. Wir sprachen mit Mona Köppen, seit acht Jahren Auftrittscoach und Trainerin für Musikstudenten und Berufsmusiker.

Mal ganz provokativ: Mentaltraining? Das ist doch dieser neumodische Kram aus Pseudowissenschaft und Esoterik, oder? Früher ging es doch auch ohne!

Mentaltraining an sich ist keine bestimmte Methode oder Wissenschaft. Für das Men- taltraining bedient man sich verschiedener psychologischer Methoden, die wiederum wissenschaftlich fundiert sind. Mentaltraining hat vor allem das Ziel, mentale Stärke zu erlangen – um dann in besonderen Situationen sein Erlerntes bestmöglich abrufen zu können. 

In meiner Arbeit mit Musikern geht es dabei um Themen wie gutes Emotionsmanagement, Selbstbewusstseinsstärkung und mentale Belastbarkeit, um Blockaden- und Angstlösung, Stressreduzierung, Fokussierung, Konzentration, Präsenz und Leistungssteigerung.

Seit wann gibt es Mentaltraining und woher kommt dieser Ansatz?

Mentaltraining kommt aus dem Sport und war ursprünglich dazu gedacht, bestimmte Bewegungsabläufe geistig ständig zu wiederholen und diese dadurch zu entstressen und zu optimieren. Mittlerweile ist Mentaltraining in zahlreichen Bereichen vertreten – meist mit dem Ziel, in seinem jeweiligen Bereich eine emotionale Stabilität zu erlangen.

Ist Mentaltraining wirklich notwendig?

Notwendig? Im Leistungssport ist Mentaltraining völlig normal! Dort wäre es heutzutage undenkbar, diese Ressource nicht zu nutzen. Im professionellen Musikbusness, in dem der Erfolg des Künstlers eben auch von einer gesunden mentalen Verfassung abhängt, ist »Mentaltraining« leider immer noch wenig verbreitet. Dabei ist es nun mal Fakt, dass es schwieriger ist, Höchstleistungen zu bringen und sein Bestes abzurufen, wenn wir psychisch verkrampft, belastet sind oder negativ über uns denken.

Mentaltraining kommt also grundsätzlich für alle infrage, die negative Einflüsse ausschließen wollen?

Ja, Mentaltraining kann jedem helfen, der das Gefühl hat, nicht wirklich alles abrufen zu können, was er mitbringt bzw. erlernt hat. Das kann ein Schüler sein, der bei einer Prüfung einen Blackout oder Prüfungsangst hat, oder ein Angestellter, der nicht in der Lage ist, vor seinen Mitarbeitern eine Rede zu halten. Mentaltraining ersetzt nicht die fachliche Komponente, das Lernen oder Üben, aber es hilft, effektiver zu lernen und das Erlernte punktgenau abrufen zu können. 

Und, was auch sehr wichtig ist: Mentaltraining hilft, dass uns Fehler nicht umhauen – und Fehler passieren uns Menschen nun mal. Aber wir bleiben dann fokussiert und können voller Kraft weitermachen – gerade unter Musikern eine wichtige Eigenschaft.

Warum sind Musiker eigentlich eine so gute Zielgruppe?

Gerade als Musiker ist man besonderen emotionalen Situationen ausgesetzt – man spielt vor Publikum oder muss ein Probespiel punktgenau abliefern. Man steht nun einmal im Scheinwerferlicht, viele Augen schauen einen an. Außerdem gibt man beim Musizieren sehr viel von sich und seinen Emotionen preis. 

Der Sportler etwa muss meist »nur« seine körperliche Leistung abrufen. Er muss kein emotional bewegendes Tor schießen. Da ist es beim Musiker doch anders. Die Musik soll etwas erzählen, Emotionen vermitteln. Und das alles mit einer Technik, die sitzen muss – vor allem im Profibereich.

  • 11.06.2019
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 16-18

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