Meister der Klangeffekte - Sonderinstrumente im Schlagwerk

Das Instrumentarium des Schlagwerks ist unglaublich umfangreich: Trommeln, Glocken, Rasseln, Stabspiele und vieles mehr – wer nicht vom Fach ist, kann da schnell mal den Überblick verlieren. Je nach Werk können dazu noch verschiedene Sonderinstrumente kommen, die auf Anhieb auch nicht jeder Schlagwerker kennt. Hier ist Kreativität gefordert.

Das Schlagwerk eignet sich hervorragend zur Erzeugung besonderer Klangeffekte. Als Konzertbesucher staunt man da zuweilen nicht schlecht: zum einen natürlich über die Effekte als solche, zum anderen aber auch über die Instrumente, mit denen sie erzeugt werden. So brillieren Schlagwerker häufig als Solisten mit besonderen Instrumenten: In »The Happy Cyclist« von Ted Huggens spielt der Solist auf einer Fahrradklingel, Leroy Anderson setzt in »Sandpaper Ballet« Schleifpapier ein und in »The Typewriter« eine Schreibmaschine.

Sphärische Klänge mit schwingenden Schläuchen

Sonderinstrumente werden aber nicht nur für Solos herangezogen. Nehmen wir als Beispiel die ersten Takte von Frank Tichelis »Angels in the Architecture«. Wie aus dem Nichts erfüllen sphärische Klänge den Raum. Ein Klangerlebnis der besonderen Art und unbestritten auch ein wahrer Hörgenuss. Wirft man nun einen Blick auf die Bühne, zeigt sich ein für viele Konzertbesucher vermutlich eher untypisches Bild: Drei Schlagzeuger wirbeln ununterbrochen jeweils einen Schlauch über ihren Köpfen durch die Luft und erzeugen so diesen besonderen Klang.

Mit »Tuned Whirlies« wird die Percussion-Stimme in der Partitur überschrieben. Je nach Länge des Schlauchs erklingt beim Schwingen ein anderer Ton. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass dieser Klang mit einem weiteren Sonderinstrument ergänzt wird: »Tuned Crystal Wineglasses« – also mit Wasser gefüllte Weingläser, die je nach Füllstand auf unterschiedliche Töne gestimmt sind. Der Ton wird erzeugt, indem man mit dem Finger über den Glasrand reibt.

Solche »Spezialeffekte« sind aber keine Erfindung von Komponisten der Gegenwart. Schon vor über 100 Jahren verwendeten beispielsweise Gustav Mahler in seiner 6. Sinfonie und Alban Berg in seinen »Drei Orchesterstücken op. 6« eine hölzerne Kiste, auf die der Spieler während des Stücks effektvoll mit einem Hammer schlägt – die so­genannte »Mahler«-Resonanzkiste. Und Richard Strauss notierte in seiner Alpensinfonie den Einsatz von Donnerblechen und einer Windmaschine.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Das Schlagwerk: Alles Hinterbänkler?":

  • 29.05.2017
  • Schwerpunktthema
  • Cornelia Härtl
  • Ausgabe: 6/2017
  • Seite 30-31

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