"Meine Ohren summen und dröhnen tagsüber und nachts" - Über den Tinnitus

Schon Beethoven klagte über Ohrensummen, Smetana gab in seiner Komposition »Aus meinem Leben« den Tinnitus wieder, der ihn quälte. Gabriele Lux-Wellenhof ist als Hörakustik-Meisterin mit dem Thema Tinnitus und Hyperakusis schon lange und intensiv vertraut. Wir sprachen mit ihr über das Klingeln der Ohren.

CLARINO: Frau Lux-Wellenhof, was ist eigentlich Tinnitus? Wie äußert sich der?

Als Tinnitus bezeichnet man alle Formen von Ohrgeräuschen, die ein Mensch hört, ohne dass ein äußeres Schallsignal vorliegt. Viele Patienten kennen Ohrgeräusche, denn Ohrgeräusche treten eigentlich bei allen Menschen spontan und für kurze Zeit auf. Von Tinnitus (lat. tinnere = klingeln) spricht man erst, wenn die Geräusche regelmäßig oder auch über einen längeren Zeitraum auftreten. 

Tinnitus gibt es in allen möglichen akus­tischen Formen: einseitig, beidseitig, auf ­einem Ohr, auf beiden, in den Ohren, im Kopf. Tinnitus wird ganz unterschiedlich wahrgenommen: als Pfeifen, Klingeln, Zischen, Sirren, Summen, Rauschen und vieles mehr. Für manche Patienten sind die Begleitumstände wie Konzentrations- und Schlafstörungen, schlechtes Verstehen bei Gesprächen oder Nebengeräuschen viel störender als der Tinnitus-Ton an sich. 

Häufig verbindet sich Tinnitus mit seelischen Lebensbeeinträchtigungen. Am häufigsten gehören hierzu Konzentrations­störungen, emotionaler Stress, Eindringen von Geräuschen in Gedanken und Tages­geschehen, mangelnde körperliche und seelische Belastbarkeit sowie Depressionen. In solchen Fällen spricht man von chronisch-komplexem Tinnitus.

  • 23.10.2013
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2013
  • Seite 12-14

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