Matthias Schriefl - Tradition und Zukunft

  • 22.06.2012
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2012
  • Seite 44-45

Matthias Schriefl hat keine Berührungsängste. Weder scheut er sich, in der Bremer Fußgängerzone mit allerlei Instrumentarium Aufmerksamkeit zu erregen, noch verlässt ihn der Mut, im – gelinde gesagt –fragwürdigen Outfit vor die Leute zu treten. Er hat erst recht keine Angst, Genregrenzen zu über­schreiten. Natürlich spielt in Schriefls Musik eine gehörige Portion Humor mit. Doch lächerlich macht er dabei nichts. Respekt gegenüber jedweder Musik ist ihm wichtig.

CLARINO: Individual- oder Mannschaftssport?

Matthias Schriefl: Sowohl als auch. Man kann das nicht trennen. Auch in einer Mannschaft muss das Individuum saustark sein. Es ist wie beim Fußball: jeder muss ein starker Dribbler sein, eine gute Technik haben und mit seinem Selbstbewusstsein den Ball behaupten können. Im Endeffekt ist Musik ein Mannschaftssport, in dem jedes Individuum seine Freiräume hat. 

Ein Großteil deiner Mannschaft kommt aus dem süddeutschen bzw. österreichischen Raum – ist es das »alpine Gen«, das man braucht, um auf deiner aktuellen CD mitspielen zu können?

Nein, absolut nicht. Man kann jede Art von Musik lernen. Vor allem solch eine einfache wie die alpine. Es geht vor allem um Gefühl und Emotionen. Und die kann man schließlich auch haben, wenn man aus Norddeutschland kommt oder aus Afrika, Südamerika oder sonstwoher. Vielleicht dann sogar noch mehr? Charles Darwin hat volksmusikalisch nicht recht gehabt: Die Gene eines Allgäuers sind nicht anders als die eines Norddeutschen. 

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