Marketing ist lernbar - Kleine Tipps für Musiker

1883 entwickelte die Firma Oetker das erste Backpulver. Damals rätselte die Öffentlichkeit: Backpulver? Was ist das denn? Wer braucht denn sowas? Ähnlich geht es Musikern, die für ihre Musik ein Publikum suchen: Was ist das denn für Musik? Warum soll ich die hören? Hier ist Marketing nötig – so wie damals beim Backpulver.

Auch wenn der Begriff »Marketing« erst vor rund 100 Jahren entstanden ist – gerade unter Musikern war die Selbstvermarktung schon immer ein Thema. Als im Europa des 18. Jahrhunderts das »Sponsoring«-System der Adligen allmählich zerbröckelte – Stichwort: bürgerliche Revolution –, sahen sich Komponisten und Virtuosen zunehmend gezwungen, sich und ihre Musik auf dem freien Markt zu verkaufen.

Frühe Meister der Selbstvermarktung

Als Hofcembalist von Friedrich dem Großen hatte Carl Philipp Emanuel Bach noch eine gesicherte, wenn auch künstlerisch nicht immer befriedigende Existenz gehabt. Als Musikdirektor von Hamburg nutzte er dagegen die Chance, seine Musik professionell zu vermarkten: Er warb bei Kirchenkonzerten für seine eigene Konzertreihe und bot Notenausgaben und Textbücher zum Verkauf.

Ein Meister der Selbstvermarktung war auch Leopold Mozart: Nicht nur seine gedruckte Violinschule wusste er erfolgreich zu präsentieren, sondern auch seinen genialen Sohn Wolfgang, der in dieser Hinsicht manches von ihm gelernt hat. Eine Plattenfirma bezeichnete Mozart jr. kürzlich sogar als »Marketing-Genie« – aber vielleicht war das selbst nur ein Marketing-Gag.

Marketing – das ist die Kunst, einen Kunden davon zu überzeugen, dass er etwas braucht, von dessen Existenz er bis gerade eben noch gar nichts wusste. Populäre Musiker haben oft das Glück, dass sich andere um die Vermarktung ihrer Musik kümmern – Konzertagenten, Veranstalter, Musikverleger, Plattenfirmen. Weniger bekannte (aber vielleicht viel interessantere) Künstler kommen dagegen nicht umhin, sich selbst mit Fragen des Marketings zu beschäftigen.

Für junge Musikerinnen und Musiker, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, ist Self-Marketing heute unumgänglich, um sich einen Platz in der Musikwelt zu erobern. Auch an immer mehr Musikhochschulen wird gelehrt, wie man sich im Musikleben vernetzt und selbst promotet.

Das fällt nicht allen Musikern leicht, denn oft geht die Hingabe an die Musik mit einem großen Idealismus einher. Wer sich selbst vermarkten will, sollte Redensarten wie »Eigenlob stinkt« mal ganz schnell ausblenden.

  • 19.10.2016
  • Schwerpunktthema
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 11/2016
  • Seite 32-33

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