Mario Bauzá: Der Mann, der den Latin Jazz erfand

Er kam aus Kuba und spielte in New York Bigband-Swing. Dann bastelte er aus kubanischer Musik und Orchester-Swing den afrokubanischen Jazz – das war 1943. Der Komponist, Arrangeur, Holz- und Blechbläser Mario Bauzá (1911 bis 1993) gilt als der Ahnherr aller Latin-Jazz- und Salsa-Bands.

Schon mit neun Jahren soll er mit den Philharmonikern von Havanna aufgetreten sein. An der »Academia Municipal de Música« (heute: Conservatorio Amadeu Roldán) lernte Mario Bauzá Klarinette und Oboe und machte 1927 (mit 16 Jahren) seinen Abschluss.

Danach gehörte er drei Jahre lang zum philharmonischen Orchester und war für die Bassklarinette zuständig. Daneben arbeitete er in kubanischen Tanz- und Jazzorchestern, bekam bei Auftritten in Hotels aber häufig zu hören: »Schade, dass du schwarz bist.«

Bauzá in New York

Nach New York kam Mario Bauzá erstmals 1926 – als Mitglied der Charanga (Tanzband) von Antonio María Romeu (1876 bis 1955), der in den USA eine Platte machen sollte. In New York lernte Bauzá eine andere Spielart des Rassismus kennen – aber immerhin hatten die Afroamerikaner ihre eigenen Clubs und Tanzsäle.

1930 (mit 19 Jahren) ging er erneut nach New York und blieb diesmal, auch wenn er hin und wieder noch die kubanische Heimat besuchte. Erst als er in den 1960er Jahren, nach Castros Revolution, einmal kein Visum bekam, beschloss er, nie mehr nach Kuba zu reisen.

Trompete lernen in 15 Tagen

In New York spielte Mario Bauzá zehn Jahre lang – von 1930 bis 1940 – vor allem eines: amerikanischen Jazz. Er gehörte zum Orchester des schwarzen Sängers Noble Sissle, dann zur Band des Schlagzeugers Chick Webb. Er spielte in den Swing-Bigbands von Fletcher Henderson, Don Redman und Cab Calloway.

Und er spielte nicht nur Saxofon oder Klarinette. Einer unausrottbaren Legende zufolge brachte sich Mario Bauzá in New York innerhalb von 15 Tagen das Trompetespielen bei – und zwar so, dass er die erste Stimme in der Band übernehmen konnte. Umstritten ist allerdings, ob das bei Noble Sissle war, bei Chick Webb oder bei Don Azpiazú, dem Rumba-König.

Natürlich stimmt diese Geschichte ohnehin nicht so ganz. Bauzá hatte nämlich schon in Kuba Trompetenunterricht bei Lázaro Herrera gehabt, in dessen Tanzband er damals mitwirkte.

So viel aber ist richtig: Bauzá spielte im Swing-Orchester von Chick Webb die Leadtrompete. Die Blechbläser-Section dieser Band hatte damals einen sensationellen Ruf, ihr Ehrenname lautete »The Five Horsemen«. Mario Bauzá war vier Jahre lang der musikalische Leiter des Orchesters, das als Hauskapelle im Savoy Ballroom residierte, dem großen Tanzpalast.

Dort kam es in den heißen Tagen des Swing regelmäßig zu »Band-Duellen«, in denen Webbs Orchester gegen eine der anderen populären Swing-Bigbands antrat. Bauzá begann Bigband-Arrangements zu schreiben und sammelte unschätzbare Erfahrungen.

  • 25.11.2016
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2016
  • Seite 46-47

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