Manuel Epli über Vereinsführung und -entwicklung

Manuel Epli (Foto: privat)

Im Vorfeld von Mitgliederversammlungen gibt es ja oft die Ansage des Ehepartners: »Komm mir bloß nicht mit einem Posten heim!« Warum eigentlich nicht? Warum ist es so unbeliebt, einen Vorstandsposten übernehmen zu wollen? ­Manuel Epli hat sich viel mit Musikern, Dirigenten und Vorständen unterhalten und widmet sich nun dem Thema »Vereinsführung und -entwicklung«. Wir haben mit ihm gesprochen.

Nach Seminaren zu den Themen »Wertungsspielvorbereitung« und »Orchesterschulung« veranstalten Sie jetzt am Wochenende 19./20. Januar 2019 Ihr drittes Seminar. Dieses Mal ist das Thema »Vereinsführung und -entwicklung«. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Manuel Epli: Ich weiß aus vielen Gesprächen mit meinen Dirigierschülern, dass das Thema gerade viele Dirigenten und Vorstände beschäftigt. Natürlich ist das auch regelmäßig ein Thema im Dirigierunterricht, da die musikalische Entwicklung eines Orchesters immer eine organisatorische Entwicklung als Grundlage hat. 

Auffallend ist, dass sich die Fragen wieder­holen und auch im jüngsten Seminar im Juli relativ viele Fragen zum Thema »Vereinsführung und -entwicklung« gekommen sind. Es ist natürlich ein bisschen ineffizient, jedem Schüler im Unterricht die gleichen Fragen zu beantworten. Aus diesem Grund wollte ich auf jeden Fall für meine Schüler ein Seminar zu diesem Thema anbieten. 

Im Sommer war ich dann viel als ­Juror unterwegs und habe in zahlreichen Gesprächen mit Kollegen, Dirigenten und Vorständen gemerkt, dass das Interesse an diesem ­Thema sehr groß ist. Darum habe ich mich entschlossen, das Seminar nicht nur für meine Dirigierklasse zu veranstalten, sondern öffentlich abzuhalten.

Viele Vereine kämpfen ja zum Beispiel damit, dass sie immer schwerer zumindest einen Interessenten für ein Vorstandsamt finden. Was empfehlen Sie, um dieses Problem zu lösen?

Ich bin der Meinung, dass die Lösung dieses Problems schon im Jugendorchester des Vereins beginnt. Bereits die Kinder und Jugend­lichen müssen lernen, dass es in einer großen Gruppe wie in einem Orchester ganz normal ist, dass jeder ein klein ­wenig Verantwortung trägt und sich für die Gruppe engagiert. 

Im Jugendalter wird das »Mindset«, mit dem wir später als Erwach­sene durchs Leben gehen, stark geprägt. Von der Einstellung, die in den Jugend­jahren angelegt wird, kann man später enorm profitieren. 

Natürlich ergibt sich durch diese Strategie noch nicht zwangsläufig, dass es für einen Vorstandsposten zig Bewerber gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zumindest einen geeigneten und motivierten Bewerber gibt, ist aber doch größer.

Das frühe Einbinden der Kinder und Jugendlichen ist sicherlich eine gute Idee. Es wird das Problem ja aber nicht vollständig lösen, oder?

Nein, sicher nicht. Viele schreckt natürlich auch die enorme Verantwortung ab, die ein Vorstandsposten mit sich bringt. Weitere oft ins Feld geführte Gründe sind, dass es zu viele Termine gibt und dass die Sit­zungen wenig effizient sind. Für alle drei Punkte gibt es Lösungen. 

  • 09.01.2019
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 18-19

« zurück