Manuel Epli über Priorisierung und E-Learning

Foto: privat

Manuel Epli ist kürzlich als Dozent beim C3- und SAD-Kurs des Musikbundes von Ober- und Niederbayern engagiert worden. Wir wollten von ihm wissen, was ihm in der Dirigentenausbildung wichtig ist und auch, warum E-Learning sinnvoll sein kann.

Im August 2019 haben Sie die Nachfolge von Dr. Leon Bly als Hauptdozent beim C3- und SAD-Kurs des Musikbundes von Ober- und Niederbayern (MON) angetreten. Was ist Ihnen bei der Ausbildung von jungen Dirigenten wichtig?

Ich unterrichte jetzt seit fast zehn Jahren Dirigieren. Im August 2009 habe ich an der Musikschule der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein die erste Dirigierklasse aufgebaut, in der ich die Satzprobenleiter und meine beiden Stellvertreter ausgebildet habe. Ein Konzept, von dem der Verein noch heute profitiert und das maßgeblich für den 1. Platz beim Deutschen Orchesterwettbewerb 2016 mitverantwortlich war.

Je länger ich unterrichte, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass – gerade im Amateurbereich – eine sinnvolle Priorisierung der Lerninhalte sehr wichtig ist. Die Schlagtechnik ist wichtig, ja. Sie wird aber nicht darüber entscheiden, ob ein Dirigent mit seinem Orchester im Amateurbereich Erfolg hat oder nicht.

Die Schlagtechnik ist ein Parameter unter vielen, der passen muss. Es gibt aber Bereiche, die deutlich erfolgskritischer sind. Verstehe ich das so richtig?

Genau. Man muss als Dirigent proben können und in der Lage sein, die richtigen Inhalte mit dem Orchester schnell und effizient zu erarbeiten. Ein guter Dirigent im Amateurbereich ist in den Bereichen Probenmethodik und Orchesterschulung stark.

Welche Neuerungen planen Sie im Kurs? Wo möchten Sie neue Akzente setzen?

Neu ist sicherlich, dass es ab August ein sogenanntes »Blended Learning«-Konzept geben wird, in dem wir den klassischen Unterricht vor Ort um Inhalte erweitern werden, die auf einer Online-Lernplattform zur Verfügung gestellt werden.

Das Thema E-Learning ist in der Szene relativ neu. Warum machen Sie das?

Es gibt dafür mehrere Gründe. Einer davon ist, dass es Franz Kellerer als Lehrgangsleiter und mir wichtig ist, dass wir die Zeit, in der die Kursteilnehmer vor Ort an der Musikakademie in Marktoberdorf sind, vor allem für die praktische Arbeit mit ihnen nutzen können. Es ist einfach schade, wenn in dieser wertvollen Zeit Inhalte unterrichtet werden müssen, die man heute auch anders vermitteln kann.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Das Transponieren ist das kleine Einmaleins eines Blasorchesterdirigenten. In jedem Fall ein sehr wichtiges Thema, für das man sicherlich einige Stunden reservieren muss. Jetzt ist es so, dass es dafür einen Onlinekurs gibt, in dem das Thema vorgestellt wird und die Teilnehmer dann interaktive Übungen machen können. Jeder kann sich das Thema so in seiner eigenen Lerngeschwindigkeit erarbeiten und in den Arbeitsphasen wird Zeit für mehr praktische Arbeit frei.

Wie läuft das organisatorisch dann genau ab?

Wenn die Anmeldephase für den Kurs vorbei ist, bekommt jeder Teilnehmer die ­Zugangsdaten zur Online-Akademie des MON und ein Workbook. Dann beginnt ein siebenwöchiges »Onboarding-Programm« für die erste Arbeitsphase. Hier geht es um Transposition und typische Standardsituationen der Orchesterschulung. In der ersten Arbeitsphase in Marktoberdorf und Alteglofsheim werden die vermittelten Inhalte kurz geprüft und dann weiter vertieft.

  • 17.01.2020
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2019
  • Seite 18-19

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