Mal konkret: »Voyage – Flight to a hopeful Future« von Satoshi Yagisawa

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Nach Recherchen von Alexandra Link (blasmusikblog.com) gibt es in den Schulen und Hochschulen Japans etwa 12.400 Blasorchester. Zudem etwa 1700 »Community Bands«, also Orchester, die mit unseren örtlichen Musikvereinen vergleichbar sind.

Weltbekannt ist das Tokyo Kosei Wind Orchestra oder das Siena Wind Orchestra, zwei von sieben der renommierten professionellen Blasorchester. Dazu kommen noch saisonale Profiorchester, Feuerwehr- und Polizeiformationen sowie 32 Militärorchester. Geschätzte zehn Prozent der japanischen Bevölkerung wären somit statistisch gesehen in ihrem Leben aktiv mit einem Blasorchester in Berührung gekommen.

Blasmusik in Japan

Wenn diese Zahlen auch außerordentlich groß aufleuchten, so verhält es sich in Japan ähnlich wie in den Vereinigten Staaten von Amerika: Die Zahl derer, die nach Schule oder Hochschule mit dem Musizieren aufhören, ist sehr groß. Die Instrumentalausbildung in Japan wie auch in den USA ist größtenteils in den allgemeinbildenden Schulen organisiert.

Im Hinblick auf das Berufsleben scheint es sich zumindest herumgesprochen zu haben, dass das aktive Musizieren beispielsweise die Konzentration fördert und teamfähig, umsichtig und belastbar macht.

Demzufolge gibt es auch in Japan einen großen Bedarf an Blasorchesterliteratur. Dieser Bedarf wird sowohl vom internationalen Markt wie natürlich auch von japanischen Komponisten befriedigt. Traditionelle japanische Volkmusik übt dabei gelegentlich Einfluss aus, aber sie ist nicht die primäre künstlerische Antriebskraft.

Das Schaffen der japanischen Komponisten ist sicherlich international ausgerichtet. Nicht zuletzt haben Blasorchester-«Urväter« wie Alfred Reed oder auch die renommierten Belgier und Niederländer inspirierend gewirkt, ganze Arbeit geleistet und damit der Blasmusikwelt in Japan zu spannenden Entwicklungen verholfen.

Die Idee zu »Voyage – Flight to a hopeful Future«

Musik kann gelegentlich auch einmal vom Himmel fallen, aber sie braucht zumindest einen Anstoß, der die Kreativität eines Komponisten erweckt. So war das 25-jährige Jubiläum des Vereins »Symphonisches Blasorchester der Seiryo Junior & Senior High School« in Tokio Anlass, Satoshi Yagisawa zu beauftragen, 2008 ein neues Werk fertigzustellen.

Dirigent Yutaka Ichiawa, der auch die Uraufführung leitete, gab Yagisawa vorher noch mit auf den Weg, Gefühle wie Freude, Dankbarkeit, Mut und Hoffnung in seine kompositorischen Gedanken einzuweben.

Satoshi Yagisawa pflegt zu solchen Anlässen seine Auftraggeber zu besuchen. Ihn interessiert beispielsweise die Persönlichkeit des Dirigenten und er sucht bewusst den Kontakt zu den ausübenden Musikern. Im gemeinsamen Austausch hofft er auf Impulse, um geeignete Ideen für seine Komposition entwickeln zu können. Dem Wunsch, das Schullied in die Komposition einfließen zu lassen, kam er also gern nach.

Die Anmerkung, dass es uns Mitteleuropäern nicht immer gelingt, der Tiefe dieses Ansatzes nachzuspüren, ist sicher ein paar Worte wert: Wir betrachten manches eher etwas abgeklärter als unsere asiatischen Freunde.

Trotzdem machte man sich in Tokio aber genauso auf den Weg. Es sollte ein Werk entstehen, das mit dem Anspruch antritt, musikalisch dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass das Orchester einer hoffnungsvollen Zukunft entgegenstrebt. Ziel dieser Methode war es natürlich auch, das Beste aus dem Blasorchester herauszuholen.

»Voyage« ist für den internationalen Markt im Schwierigkeitsgrad 4 eingestuft, beinhaltet drei Teile, die in einem Zuge gespielt werden und dauert knapp sieben Minuten.

  • 01.10.2019
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 10/2019
  • Seite 18-20

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