Mal konkret: »St. Thomas Choral« von Pavel Staněk

»Einfach so, aus Spaß an der Freude« habe er dieses Werk geschrieben. »Erst viel später habe ich es Siegfried Rundel zur Herausgabe ange­boten«, erzählt Komponist Pavel Staněk. Sicherlich, er hatte beim Schreiben schon eine Idee von Festlichkeit und Würde, aber nicht direkt, unmittelbar und zweckgebunden einen religiösen Ansatz. Die Freude an klanglichen Effekten, die durchaus raffiniert unterhalten sollten, stand wohl im Vordergrund.

Wenn Musik Assoziationen erweckt

Siegfried Rundel, Musiker und Verleger mit Instinkt und Fantasie, Pragmatiker und Visionär, der hatte sofort eine Idee, in welchem Segment diese Musik zu platzieren ist. Ein plakativer Titel sollte die durchaus choralhafte Musik in die Herzen der Menschen führen. Und so stellte er die Weichen, wie Pavel Staněk sich erinnert. »Der ›St. Thomas Choral‹ erhielt seinen Namen nach der Thomaskirche auf der sogenannten Kleinseite in Prag. Ich hatte dort vor langer Zeit als Kontrabass-Student die Weihnachtsmesse von Jan Jakob Ryba gespielt. An diese Stimmung habe ich mich dann gerne erinnert.«

Der Komponist: Pavel Staněk

Pavel Staněk, was für eine Persönlichkeit, was für ein musikantischer Lebenslauf! Nein, er ist nicht mit einem Blasinstrument in der Wiege zur Welt gekommen. 1927 in Prag geboren, studierte er dort zunächst Kontrabass, musizierte im Staatlichen Lieder- und Tanz­ensemble und wurde ebenda auch bald Chorleiter. Ab 1954 war er für sechs Jahre Dirigent des Musikkorps des Innenministeriums, dem heutigen »Orchester der Burgwache und Polizei der Tschechischen Republik«. Hier stand er erstmals einem Blasorchester vor.

  • 22.08.2016
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 9/2016
  • Seite 18-19

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